Von der Baby Erstausstattung bis zum 1. Geburtstag: Was man in den ersten 12 Monaten wirklich nicht braucht!

Elina - Mittwoch, 20. Januar 2016

Was braucht eigentlich ein Baby? Was ist unnötig? Was kann man sich sparen, wenn man sparen muss? Wie sieht die perfekte Erstausstattung aus? Meine Hebamme sagte immer: Ein Baby braucht nur Liebe und Muttermilch. Ganz so einfach ist es natürlich nicht.

Wenn man das Geld hat, dann bitte, by all means, kauft euch Burberry Trenchcoats in Größe 74 für euer Sommerkind, das dann doch nicht so fix wächst, wie ihr es euch anhand von völlig absurden Etiketten ausgerechnet habt, und das gute Teil dann doch im Schrank verstaubt oder auf eBay Kleinanzeigen landet. Doch das ist ein extremes Beispiel.

Wir alle, schwanger oder am Planen oder frischgebackene Eltern, arbeiten mit irgendeiner Art von Budget. Die wenigsten von uns finden Pullis mit Engelsflügeln wichtig oder lassen den Vornamen ihres Kindes patentieren (Was für Beyoncé übrigens eine logische und rechtlich wichtige Entscheidung war. #beyhive).

Zur Geburt unseres ersten Kindes war ich kurz davor, mein Masterstudium zu beenden, wir hatten uns gerade den Umzug in eine riesige Traumwohnung geleistet und sicherlich kein Geld um ein Baby in fancy Sachen einzukleiden. Was mir so nach der dritten vollgeschissenen Windel, Babyspucke (Kotze) und meinem eigenen Blut auch herzlich egal war. Und all die süßen Strampler, die uns geschenkt wurden? Hat eh kein Schwein gesehen, weil mein Kind ein Winterbaby war und sich die Außenwelt drei, vier Monate lang an seinem Teddyanzug erfreuen durfte.

Es sei denn ihr seid professionelle Instagrammer und bekommt Geld dafür, dass ihr euer Baby in überteuerten (und wunderschönen) Klamotten ablichtet, interessiert es keine Sau, wie euer Baby angezogen ist. Wirklich nicht. Klar, für besondere Anlässe, go crazy, holt dem Mini einen Anzug oder Dirndl oder die mini Chucks! (Was sich bei uns sehr bezahlt hat: eine Krawatte.)

Doch lauft bitte nicht, egal wie hart es ist, in irgendwelche Baby Boutiquen (auch nicht zu H&M) und kauft jede Menge Müll, den ihr höchstwahrscheinlich nie benutzen werdet. Ich persönlich habe generell eine komplizierte Beziehung zu "Shopping". Aus verschiedenen Gründen. Ich habe genau ein Strampelset neu gekauft. In einem Jahr. (Das Kind hat es einmal getragen.) Alles andere war gebraucht erstanden, oder geschenkt bekommen. Nur einzelne Teile wurden uns neu geschenkt.

Das Witzige am Secondhand Shopping für Babys ist: es ist meist neu, oder wie neu, denn auch die Babys, für die die Sachen gedacht waren, wachsen schnell und besitzen viel. Trotzdem ist die Kleidung größtenteils schon ein paar Mal gewaschen worden, also yay für die empfindliche Haut eures Kindes.

Es ist einfach nachhaltiger. Selbst wenn ihr nur eco-friendly, vegane, bio, bla Baumwolle kauft, wurde das Kleidungsstück dennoch neu produziert und hat (wahrscheinlich) einen langen Weg hinter sich. Ich SCHWÖRE auf eBay Kleinanzeigen, wirklich, zum kaufen und verkaufen. Und Flohmärkte. Probiert es aus. Sollte es euch Überwindung kosten, denkt dran, ihr werdet dem Hosenscheißer noch früh genug überteuerte Markenklamotten kaufen müssen. (Oder ihr lasst auch das bleiben.) Durchbrecht diesen Kreis der Konsumgeilheit die ernsthaft schon bei Neugeborenen beginnt.

Wenn ihr secondhand kauft, ärgert ihr euch nicht so sehr darüber, wenn ihr Größen falsch eingeschätzt habt, oder etwas verloren oder kaputt geht.  Glaubt mir, es macht euch zu entspannteren Eltern. Wie albern ist es bitte, sich darüber zu ärgern, dass ein Baby ein Shirt eingesaut hat? Mal ganz davon abgesehen, dass Babygrößen eh tendentiell Bullshit sind.

Babies verschlafen eh immer alles. Stresst euch nicht so.

Das gleiche gilt für Spielzeug. Was meine Hebamme mit ihrem Spruch meinte ist zum Beispiel, dass Babys wirklich kein Spielzeug benötigen. Tun sie nicht. Keine Rassel, kein Figürchen, und was einem wirklich niemand erzählt: Babys interessieren sich null für Stofftiere, das kommt meist später. Sieht halt nur süß auf Fotos aus. Was unser Kind in den ersten sechs Monaten interessanter fand als jedes SigiKid Ding das Menschen vor ihm hin und her baumelten: Waschmaschine, Mama, Papa, Oma, Opa, Nasen, Finger, Schlüssel, Plastikflaschen, Fön, Licht.

Ohne euch zu Öko kommen zu wollen, aber eine andere Hebamme hat einmal erzählt, dass sie mal in einem afrikanischen Dorf arbeitete, und erst als sie nach Deutschland zurückkehrte, fiel ihr auf, dass sie in all den Wochen kein Baby hat richtig weinen hören. Ihr fiel dann erst auf, dass die Babys einfach immer getragen wurden, und grundsätzlich nach Bedarf gestillt wurden. Und richtig, es gab kaum Spielzeug.

Ihr müsst euer Baby nicht immer tragen, das will ich nicht gesagt haben. Ich benutze ein Tuch, eine Trage und einen Kinderwagen. Ich habe mein Kind in Wiegen und Liegen abgelegt und vor die Waschmaschine gestellt und mich daneben gelegt und ein Buch gelesen. Aber es ist auch wahr, dass Babyschalen und Spielzeug und Wiegen Ablege- und Ablenkerfindungen unser westlichen Welt sind. JA, auch weil wir nicht immer Schwestern, Omas, Onkel oder Cousins um uns herum haben, die helfen könnten, und einfach mal eine Pause brauchen. Aber eure Babys brauchen euch, und keine Designerklamotten oder pädagogisch wertvolles Spielzeug. Gebt euer Geld für euch aus. Ihr habt es euch verdient.

Ich kann an dieser Stelle wirklich den Blog Spielzeugfreies Kinderzimmer empfehlen. Sehr inspirierend!

Fotos: Kai Senf

Schlagwörter: attachment parenting, Baby, Eltern, Erstausstattung, Erziehung, Spielzeug, spielzeugfrei, spielzeugreduziert
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