Phänomen Second Screen - #Tatort #GNTM

Svenja - Dienstag, 26. April 2016

Fernsehen gilt als das totale Berieselungsmedium: Man starrt stundenlang regungslos auf die Mattscheibe, vergisst sein Leben, Menschen um sich herum, ja ganze Apokalypsen sollen fernsehschauende Menschen verpasst haben. Mittlerweile wird Fernsehen aber auch anders geschaut: im Multitasking-Mode mit Handy in der Hand. Second Screen ist das Schlagwort.

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Schaut man sich die Trending Hashtags am Sonntag an darf einer nicht fehlen: Tatort. Während der Fernseher läuft, schaut man parallel auf Twitter, was die anderen Zuschauer denken, fühlen, sehen. Wieviele Tatort-Folgen hätte ich aus purere Langeweile (manchmal aber auch aus purem Frust) abgeschaltet, weil die Dialoge unerträglich waren, die Mimik von Simone Thomalla wieder mal sehr einseitig war oder die gesamte Folge undurchsichtig war. Seit man der Serie auch auf Twitter folgen kann, verbündet man sich als Zuschauer. Von einem Berieselungsmedium landet man in purer Interaktion, stellt Theorien zum Mörder auf, lobt besonders gelungene Folgen oder fiebert gemeinsam der nächsten Ausstrahlung entgegen.

Germany's Next Topmodel: Ohne Twitter geht nichts

Ähnlich verhält es sich auch bei Germany's Next Topmodel. Dort werden ganze Allianzen gebildet, wenn sich zwei Kandidatinnen wie derzeit Jasmin und Elena anzicken. Wer hat die besten Siegeschancen, wer fliegt als nächstes raus? Alles wird auf Twitter diskutiert.

Während Fernsehmacher noch vor einigen Jahren die Macht des Internet fürchteten, bringt es mittlerweile ganz neue Möglichkeiten mit sich. Die Schreiber des Tatort sammeln Inspirationen, Ideen aus dem Twitterstream, lesen aufmerksam mit und das nicht nur beim Lob, sondern auch bei der teilweise harschen Kritik. Twitter ist also eine wahre Erweiterung für das Fernsehschauen geworden und verbindet die Zuschauer wieder. Fernsehen wird wieder zu einer Gemeinschaftserfahrung, wie zuletzt in einer romantischen Fernsehwerbung aus den 50er Jahren. Es entsteht ein neues Gefühl von Verbundenheit durch Twitter, denn die Zuschauer interagieren miteinander, schicken sich Tweets, führen Abstimmungen durch.

Es ist aber nicht nur so, dass alle ein Programm schauen, sondern vor allem gleichzeitig. Netflix und andere Streaming-Angebote haben ja eigentlich dafür gesorgt, dass wir unabhängig voneinander Serien konsumieren - nicht wie vor 15 Jahren, wo man jedes Mal eine Woche auf die nächste Folge einer Serie warten musste. Twitter bringt uns nun also wieder zusammen vor den Fernseher, gleichzeitig mit digitaler Kommunikation.

Man kann sich durchaus die Frage stellen, ob man komplexen Inhalten mit Twitter nebenher überhaupt noch folgen kann, ob Geschichten zukünftig seichter erzählt werden müssen, aber bei Programmen wie Germany's Next Topmodel und Bauer sucht Frau ist das zum Glück irrelevant.

Schlagwörter: Fernsehen, Germany's Next Topmodel, Second Screen, Tatort, Twitter
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