Der Wunsch nach Freiheit

Svenja - Montag, 6. Juni 2016

Haben wir ihn nicht alle: Den Wunsch frei zu sein? Frei von Zwängen, frei von Pflichten, einfach frei sein? Dieser Instinkt kommt uns auch im Erwachsenenalter nicht abhanden.

Ich genieße es, ab und zu ganz allein zu sein, nichts zu tun, bummeln zu gehen, zu lesen oder alleine zu reisen. Man hört in sich hinein, resümiert Situationen, grübelt über Freundschaften - über Dinge, über die man im Alltag nicht nachdenken kann aus Mangel an Zeit.

Das Schöne am Alleinsein? Man kann kommen und gehen, ohne jemandem Bescheid zu sagen, ohne sich abzumelden. Wenn das Grundrauschen zu laut ist, der Kopf schlichtweg zu voll ist zum Nachdenken, funktioniert das Alleinsein logischerweise nicht. Was aber, wenn einem im Alltagstrott gar nicht mehr die Zeit für sich alleine bleibt?

Einfach nur ich selbst sein

Einige Unterhaltungen mit Freunden haben ergeben, dass alle diese Drang verspüren, ab und zu komplett allein zu sein. Sei es, dass sie früher von der Arbeit loskommen, die gewonnene Zeit aber nicht dazu nutzen, direkt nach Hause zu gehen, sondern die Zeit nur für sich zu nutzen. Heimlich, still und leise einfach für sich zu sein, ohne jemanden darüber zu informieren. Diese kleinen Zeitfenster können gold wert sein. Gerade bei Freunden mit Kindern scheinen diese Zeitfenster die einzigen zu sein, in denen man einfach mal nur man selbst ist. Nicht Mama, nicht Freundin, nicht Ehefrau, einfach nur man selbst.

Das Gefühl hatte das erste Mal, als meine gesamte Familie im Urlaub war und ich das erste Mal alleine zuhause war, wenn auch nur für einige wenige Tage. Das Gefühl war unbeschreiblich. Aufstehen, wann ich wollte, einkaufen, was ich wollte, aufräumen, weil ich es wollte, in die Stadt fahren, ohne vorher der Mutter Bescheid zu sagen. Ich hatte das Gefühl wieder Anfang des Jahres wieder in meinem Detox-Urlaub auf Koh Samui. Machen. Was. Ich. Will. Wann. Ich. Will. Es war großartig!

Allein sein wirkt Wunder

Hand auf's Herz: Das Gefühl bekommt man sonst nur noch als Strohwitwe, wenn die Kinder mal ausgeflogen sind, oder wenn man alleine in den Urlaub fährt. Das ist auch vollkommen ok so, denn das Leben mit Partner und/oder Familie ist wunderschön. Was aber, wenn einem der Freiraum, den man ab und zu benötigt, nicht mehr eingeräumt wird oder man ihn sich nicht einfordert? Man fühlt sich eingesperrt, erdrückt, unglücklich.

Warum gelingt es nur so selten in Partnerschaften und Familien, dass jeder den Freiraum bekommt, den er/sie benötigt? Erst neulich hatte ein Freundin wieder das Bedürfnis auszubrechen, über die Stränge zu schlagen, sich hemmungslos zu betrinken, nur um endlich wieder etwas Unvernünftiges zu tun. Hätte sie dieses Bedürfnis auch, wenn ihr Partner ihr diesen Freiraum schon vorher gegeben hätte? Um es mit Carrie Bradshaw's Worten zu sagen:

That’s the thing about needs. Sometimes when you get them met, you don’t need them anymore.

Warum sich also nicht gegenseitig mehr Zeit und Raum geben? Das muss in einer erwachsenen Beziehung doch möglich sein.

Schlagwörter: Allein sein, Freiheit
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