Was ich gerade lese: Aisha Franz "Shit is Real"

Elina - Donnerstag, 18. August 2016

Ich habe ein ganzes Comic Buch für Erwachsene gelesen! Naja, also für Menschen, die unter Umständen eines Tages erwachsen werden möchten.

Nostalgisch hat mich die Lektüre von "Shit is Real" von Aisha Franz gemacht. Zurückversetzt in diese ersten Monate in Berlin, in denen man auch nicht wusste wohin. In Regensburg war es schöner. In Berlin war alles grauer und nasser und kälter und die Leute blöd. Die Aisha Franz kennt Regensburg auch ganz gut, aber kommen tut sie aus Fürth! (Ich hoffe sie fränkelt. Bitte Gott, lass sie fränkeln.)

Aber ich habe mich schon wiedergefunden in der Figur dieser jungen Dame, die da in die Stadt zieht, und verlassen wird, und zunächst einmal keinen Bock hat sich Gedanken zu machen über das, was jetzt kommen sollte (Festanstellung, Hochzeit, Kinder, Rentenversicherung.)

Das Buch eignet sich hervorragend, um es Menschen zu schenken (sich selbst), denen es grad nicht so gut geht. Es ist aufmunternd, aber nicht auf eine nervige Sesamstraßen-Art-und-Weise und man kann sich so schön verlieren in diesen Zeichnungen, die unsere fancy moderne Welt sehr bissig witzig, manchmal traurig widerspiegeln. Außerdem ist das Cover der Knaller, und für jede langweilige Altbauwohnung in eurem Szenekiez eine gefundene Individualisierungsmaßnahme. Einfach über das Kinsfolk Magazin legen, ist auch quadratisch, also prima für Instagram.

Da ich keine Ahnung von Kunst habe, hier die professionellere Rezension zum Grafischen Teil der FAZ:

Über die Verlusterfahrung helfen ihr eine Reihe von Tag- und Nachtträumen, aber das alles ist weitaus assoziativer erzählt, als es zu beschreiben wäre. Wichtig ist, dass Franz ihren bewusst naiv gehaltenen Bleistiftstrich bei den Figuren verfeinert, noch mehr abstrahiert hat und bei den Hintergründen teilweise extremen Detailreichtum einsetzt. Die Panels stoßen weiterhin direkt aneinander, sind aber nun durch dicke tiefschwarze Rahmen voneinander abgegrenzt, wobei die Seitenarchitektur ständig wechselt.

Außerdem ist die Frau Franz witzig, und sympathisch, was bei diesem 15-Fragen-Interview im Tagesspiegel deutlich wird.

Den Reprodukt Verlag gibt es seit 1991 und es lohnt sich, den Webshop mal zu durchforsten (Weihnachten steht vor der Tür.). Was den Verlag besonders macht:

Bei allen Unterschieden ist den ZeichnerInnen gemeinsam, dass sie aus der Independent-Szene kommen und nicht die klassischen Comicthemen bedienen.

Aisha Franz ist zudem Teil eines Zusammenschlusses von vier Comic-Selbstverlegern. 

Und jetzt? Leseprobe:

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