Was ich gerade lese: Heðin Brú "Vater und Sohn unterwegs"

Elina - Sonntag, 19. März 2017

An "Vater und Sohn unterwegs" von Heðin Brú lese ich schon eine gefühlte Ewigkeit. Ein Gespräch mit dem Oceloter Veranstaltungsexperten Ludwig Lohmann the other night hat mich dann bewegt, es doch noch einmal in die Hand zu nehmen, und sei es für den #indiebookday. Und dann las ich, mal wieder.

Manchmal finde ich es anstrengend, ein Buch zu lesen, wo nicht sofort Halligalli abgeht. Und wenn vorne draufsteht "Aus dem Färöischen" dann ist das zunächst ja auch erst einmal eine Information, die vielleicht neugierig macht, aber nicht direkt mit Spiel, Spaß und Überraschung verbindet. Mal ganz davon abgesehen, dass mein Autokorrekt es mir einfach nicht glaubt:

Nun gut, nun befinden wir uns allerdings in der Walphase in meinem Zuhause, und zwar schon seit geraumer Zeit. Dinosaurier machen immer mal wieder einen Kurzbesuch, aber Wale, Meerestiere, Papageientaucher und Seeanemonen sind die Stars, die einfach immer und immer wieder auf Abschiedstournee gehen, aber nicht in Rente gehen. Ich habe sogar begonnen, mir Klamotten danach auszusuchen, ob das Kind es cool finden würde. Das Kind ist zwei und kann mehr Walsorten aufzählen als ich. Jedenfalls dachte ich, Moby Dick kennen wir alle in- und auswendig, und irgendwie ist diese ewige Obsession mit Island auch schon wieder so yesteryear, es muss was Neues her.

Und mit was Neuem meine ich natürlich einen uns unbekannten Klassiker, den der Guggolz Verlag schick gemacht hat (Spoiler Alert: Es geht um Walfang, Glibber, Blut und tote Tiere.):

Einer der ersten Romane, in denen die färöische Sprache, die zuvor dem ländlichen Alltag und den traditionellen Volksliedern vorbehalten war, zur Literatur wurde. Heðin Brú erzählt mit feinem, liebevollem Humor vom Leben auf den windumbrausten, baumlosen und vom schaumigen Meer umspülten Färöer Inseln, er berichtet vom entbehrungsreichen Alltag zwischen Walfang, Torfstechen und Treibholz sammeln. Ketil, ein kauziger färöischer Fischer, ersteigert bei einer Auktion nach einem ertragreichen Walfang ein für ihn zu großes und zu teures Stück Walfleisch. Als er erfährt, dass er es bis zum Ende des Jahres abbezahlen muss, lässt er nichts unversucht, um das nötige Geld aufzutreiben. Sein Ehrgefühl erlaubt es ihm nicht, mit Schulden zu leben. Das jüngste seiner elf Kinder und das letzte, das noch mit in seinem Haus lebt, sein Sohn Kalvur, begleitet ihn bei den Unternehmungen. Heðin Brú erzählt von dem alternden Fischer, dessen Alltag von seiner Arbeit und dem Wetter geprägt ist, dessen Schicksal jedoch weit über die abgelegenen Färöer Inseln hinausweist. Ketil muss sich eingestehen, dass die Generation seiner Söhne und Töchter mit dem Einzug von moderner Technik und Arbeitsweisen nicht mehr auf die Erfahrung und die Kenntnisse der Alten angewiesen ist und ihren eigenen Weg beschreitet. Der Fortschritt ist nicht aufzuhalten, doch in der Literatur können die vergangenen Zeiten festgehalten und für künftige Generationen bewahrt werden.

Also meta mäßig ist das natürlich so aktuell wie eh und je. Meine Generation ("started with VHS now we at the streaming service") ist sogar noch sowohl als auch, meiner Meinung nach. Versucht unseren Eltern Facebook zu erklären während wir Snapchat nicht begreifen (wollen). Na, wer wird dieses Jahr noch 30... geil, oder?

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Wofür ich das Buch liebe: Es ist so fucking langsam und öde, dass man sich Wollsocken anziehen muss, weil man den kalten Wind spürt. Außerdem erinnern mich die Dialoge an meine Heimat, #OstWestfalenWasGeht

Ja, ja. Nein, ich mein ja nur, sagte Ketil.

Ja, ja, nein, nein, entgegnete Klávus.

Herrlich. Und überhaupt, jedes Buch, dass 'grüne Algenschleimsuppe' als Mahlzeit erwähnt, verdient Aufmerksamkeit.

Warum mich das Buch dennoch anstrengt: Es ist so fucking langsam und öde, dass ich dann zwischendurch doch wieder zu moderner Literatur greife. Aber ich gebe nicht auf, und 2017 lese ich es durch!

›Vater und Sohn unterwegs‹ ist der einzige Roman, der den Weg von den Schafsinseln hinaus in die Welt gefunden hat, und die Färinger selbst haben ihn in einer Umfrage zum ›Roman des Jahrhunderts‹ erklärt. (…) Es ist nicht so, dass wir künftig jede Saison wieder unruhig auf ein neues färöisches Meisterwerk warten werden, aber dass wir nun über ihre Literatur Einblick in eine Welt gewinnen können, aus der es selten genug eine Nachricht in unsere Medien schafft, verdient jedenfalls weitum beachtet zu werden. Karl-Markus Gauß, Neue Zürcher Zeitung

Vater und Sohn unterwegs von Heðin Brú

OT: Feðgar á ferð, 1940
Aus dem Färöischen und mit einem Glossar von Richard Kölbl
Mit einem Nachwort von Klaus Böldl
205 Seiten, € 22 [D] | € 22,60 [A]
Gebunden, fadengeheftet und mit Lesebändchen
ISBN 978-3-945370-03-2

Schlagwörter: Indie, Wale, Wir lesen
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