Viel Erfahrung - kein Gehalt

Svenja - Donnerstag, 20. April 2017

Die Jobsuchenden unter euch kennen sie bestimmt: Stellenausschreibung, die 5+ Jahre Berufserfahrung und einen akademischen Werdegang voraussetzen; man hat Personalverantwortung, soll also ein Team leiten; strategisch als auch operativ einen Bereich vorantreiben und im Marketing mitwirken. Arbeitszeit: mindestens 40 Stunden. Dafür sollte es das stolze Gehalt eines Berufseinsteigers im Kundenservice geben mit 20 Urlaubstagen.

Das darf man sich ruhig mal auf der Zunge zergehen lassen. Auf meine erstaunte Nachfrage, warum das Gehalt gemessen an dem, was von einem erwartet wird, doch eher am unteren Spektrum angesiedelt ist, hätte ich die Antwort fast schon voraussagen können: Berlin ist doch so günstig (und den Obstkorb und den Kaffee dürfte man ja auch nicht vergessen).

Berlin ist gar nicht mehr so günstig

Berlin ist längst nicht mehr so günstig, wie immer wieder gesagt wird. Tatsächlich klaffen Gehälter und Lebenshaltungskosten immer weiter auseinander. Die Berliner Mieten haben angezogen, und zwar gewaltig. Für eine 60m2-Wohnung hat man 2011 noch 6,17€ pro Quadratmeter bezahlt. 2016 sind es schon 10,69€. Die Lebenshaltung generell ist teurer geworden, und wie der Stern mal ganz interessant am Beispiel von Picknick-zu-zweit zusammengestellt hat, ist Berlin teilweise teurer als Hamburg. Das, was in Berlin im Schnitt unterm Strich übrig bleibt, ist nicht viel. (Außerdem möchte man ja auch nicht, nur weil man sich in Berlin sein Brot verdient, auf Reisen immer der arme Schlucker sein.)

Es steht schlichtweg in einem zu krassen Kontrast, jemanden operativ und strategisch einzustellen, sowie ein Team zu leiten und diese Verantwortung nicht entsprechend zu entlohnen.

Hochqualifiziert, aber unterbezahlt

Warum ich diesen Rant schreibe? Das, was sich aus meiner Perspektive derzeit auf dem Berliner Arbeitsmarkt abspielt lässt mir keine Ruhe:

Ansprüche von Firmen und das, was sie bereit sind für die Leistung zu zahlen gehen eklatant auseinander. Versteht mich nicht falsch, bei Startups oder auch NGOs wird verständlicherweise oft (aber längst nicht immer) weniger gezahlt, denn da geht es auch um etwas anderes.

Was es ganz gut auf den Punkt bringt, ist diese Gif:

Deswegen mein Appell, vor allem an die Konzerne und etablierten Firmen: Wer qualifizierte Mitarbeiter sucht, die entsprechend in ihre Ausbildung investiert haben, sollte diese Mitarbeiter auch entsprechend bezahlen. Es ist ein Investment, nicht nur in einen Mitarbeiter, sondern auch in eure Firma. Wer zufrieden ist, also auch noch Zeit für ein Privatleben hat und keine existenziellen Ängste hat, wie der nächste Monat bestritten werden soll, bleibt. Denn wer seine Mitarbeiter wie eine ersetzbare Ressource sieht und immer wieder austauschen muss, zahlt am Ende drauf.

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