Die Angst vor dem Alleinsein

Svenja - Mittwoch, 16. August 2017

Wie oft habe ich die Frage gestellt bekommen: “Wie, du verreist alleine? Ist das nicht langweilig und furchtbar einsam?” Jedes Mal bin überrascht, dass es so viele gibt, denen beim Gedanken ans Alleinsein unbehaglich wird, ja teilweise sogar Angst macht. Egal ob zuhause, oder auf Reisen. Das soll nun keinesfalls überheblich klingen, sondern vielmehr meine ganz ehrliche Verwunderung zum Ausdruck bringen. Wir Menschen neigen dazu, von uns selbst auf andere zu schließen, was natürlich totaler Blödsinn ist, weil wir alle unterschiedlich sind. Ich schließe auch von mir auf andere: Ich liebe es alleine zu reisen, alleine zu sein und einfach mal komplette Stille um mich zu haben.

Für mich klingen die Nachfragen deshalb so komisch, weil ich die Zeit alleine unheimlich genieße. So sehr ich die Menschen um mich herum liebe, so sehr liebe ich auch die Stille und die Zeit alleine mit meinen Gedanken. Für eine kurze Zeit kann sich wohl noch der Großteil damit arrangieren, mit sich selbst allein zu sein. Aber mehrere Tage oder Wochen? Das ist eine ganz andere Geschichte. Deswegen fällt es mir schwer zu verstehen, wie jemand etwas, das mir so gut tut, so ein unwohles Gefühl geben kann.

Alleine, aber nicht einsam

Viele setzen mit den Alleinsein Einsamkeit gleich, aber letztlich sind das ja zwei unterschiedliche Begriffe. Alleinsein hat für mich etwas mit Selbstbestimmung zu tun: Ich wähle alleine zu sein. Einsamkeit hingegen setzt ein Vermissen von Mitmenschen voraus und ist nicht selbstbestimmt. Einsamkeit ist ungesund, traurig und deprimierend. Das ist es also nicht, was ich mit meinem Wunsch nach dem Alleinsein meine.

Ich bin gesegnet mit netten Freunden und einer zuverlässigen Familie. Möchte ich nicht mehr alleinsein, habe ich die freie Wahl wieder Menschen um mich herum zu scharen oder mich selbst zu ihnen zu gesellen.

Warum aber haben Menschen Angst vor dem Alleinsein? Ist es die Angst davor, sich mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen? Den inneren Freak ins Auge blicken zu müssen? Die innere Stimme laut und deutlich zu hören? Die Angst vor Reflexion, auch über die weniger schönen Seiten an sich?

Das bewusste Alleinsein, nur mit sich selbst zu sein, scheint für viele ein Horrorszenario zu sein. Dabei brauchen wir das Alleinesein als Ausgleich zum ganzen Lärm, der uns umgibt.

Der Psychotherapeut Dietrich Munz sagt dazu:

Alleinsein dient auch der Regeneration, man kann Dinge innerlich klären. In vielen Kulturen ist der Rückzug ein wichtiger Prozess.

Wo findest du Ruhe?

Ich freue mich dieses Bedürfnis ab und zu, dann aber sehr ausgeprägt zu spüren und ihm nachgeben zu können. Die Ruhe zu suchen und die Zeit alleine zu genießen. Dabei ist es letztlich vollkommen egal, wie der Rückzugsort eines jeden einzelnen aussieht. Für mich ist es mit Sicherheit die Natur und die Unendlichkeit, wie ich sie auf einem Hausboot auf der Havel oder im norwegischen Tromsø gefunden habe. Absolute Ruhe, die Rohheit der Natur, die Extreme, aber eben auch der Einklang von allem. Und ich selbst mittendrin.

Schlagwörter: Alleinsein, Einsamkeit, Ruhe
Kolumne