Warum ich an Silvester zu Hause bleibe.

Elina - Montag, 1. Januar 2018

Puh. Silvester. Wart ihr schon mal an Silvester in Berlin? Ich sag mal so: #kriegsgebiet und #angstumdeinleben #oderhände #odertrommelfell wären ja die Hashtags, die ich nutzen würde.

Ich liebe es mit knapp 30 Jahren wie eine alte Omma zu wettern. Lebensgefährlich ist das Kinder, was ihr da draußen macht! Ihr seid doch nicht mehr ganz dicht! Ich bin voll der Schisser, und kriege Zustände, wenn das traditionelle Wegböllern so um den 29.12. beginnt.

Es ist ja nicht so, dass man als Silvester Hater geboren wird, die meisten Kinder erfreuen sich bestimmt an dem Wahnsinn. Bei mir hat es sich einfach so ergeben, dass ich seit über zehn Jahren kein Silvester mehr gefeiert habe.

Ich hab den Großteil meiner Zwanziger damit verbracht, in der Gastro zu arbeiten. Da sind die Regeln klar und einfach: Wenn du Weihnachten nicht arbeitest, arbeitest du Silvester. Silvester zu arbeiten war ein Traum. Alle Tische reserviert, klare Abläufe, feste Menüs und keine nervigen spontanen Gäste. Die Leute geben fantastisches Trinkgeld, weil man ihnen so leid tut und um spätestens 23:45 sind wirklich alle draußen. Danach bin ich meist ins Bett, denn wer sonst viel und gerne weggeht, empfindet Silvester echt als Bestrafung. So ging es mir jedenfalls.

Da ich nun aber nicht ewig in der Gastro arbeiten wollte, mir aber wohl auch sonst nicht auf die Schnelle einen Job suchen konnte, bei dem man am Neujahrstag einfach mal frei hat, habe ich vor vielen Jahren einen Uni Kurs in den Semesterferien unterrichtet: Deutsche Geschichte am Beispiel Berliner Architektur. Irgendein Depp hatte nun aber die Sanssouci Besichtigung auf den 1.1. gelegt. 9 Uhr.

Die armen amerikanischen StudentInnen: Nur eine von ihnen war schon 21, ergo hatten die meisten von ihnen in der Silvesternacht zuvor ihren ersten großen öffentlichen Vollrausch hinter sich gebracht. Poor babies. Ich, großer Fan von Schadenfreude generell, habe das Leben, die Luft und den Potsdamer Kuchen gefeiert. Mittags waren wir zurück in Berlin und der Tag lag einfach nur vor uns. Ich habe mich in Ruhe mit Kalendern und Terminplanern beschäftigt. Ich sag ja, Omma Style kann ich gut.

Dann kriegt man ein Kind, und einen Mann, und zum Glück finden beide Feuerwerk auch sehr unspannend und man verlässt Berlin einfach über Silvester. Wir haben schon alles gemacht: Polen, Ostsee, Herrenhaus, alte Mühle. Wellness Hotels haben ja auch immer irgendein ein fancy Silvester Programm. Es müsste mal ein Hotel geben, dass damit wirbt, dass es keine Knallerei, Böllerei oder Feierei gibt. Nur Völlerei, bitte.

Dieses Jahr fiel mir auf, dass der Großteil meines Freundeskreises irgendwo in Schweden, Dänemark, Österreich oder generell auf dem Land zwischen Schnee und Ruhe gefeiert hat. Ist das jetzt ein Trend? Die hatten auch nicht alle Kinder... Ich geh gern feiern, aber...Ich geh überhaupt nicht gerne feiern, ich verstehe Clubs nicht mehr und ich möchte um 22 Uhr schlafen. Wenn ich weggehe, dann muss es etwas mit Essen zu tun haben. Vielleicht raste ich mit 40 voll aus und will wieder tanzen gehen und so, aber ganz ehrlich, ich bin so verdammt stolz, Teil der Netflix Generation zu sein, ich möchte einfach nur auf meinem Sofa liegen, essen und The Crown gucken. Das habe ich dann auch an Silvester gemacht, während Mann und Kind geschlafen haben. Herrlich. Frohes Neues!

Foto von Kristopher Roller

Kolumne