Manchmal kommt ein Buch und reißt dir das Herz raus. Ich wusste ja, worum es bei Diane Guerrero's Buch ging. Also so in etwa. Die Schauspielerin, bekannt aus Orange is the New Black, war 14 als ihre Eltern deportiert wurden. (Wenn ihr so seid wie ich, kennt ihr sie vor allen Dingen von Jane the Virgin.) Sie kam nach Hause und sie waren weg.

Ich las das Buch zwischen Weihnachten und Silvester. Wir hatten Besuch aus Amerika. Wir sitzen in der Tram mit meinem schlafenden Kind und wollen nach Marzahn, zum ReSales Outlet. Ich lese und könnte heulen. Dann heule ich.  Ich wusste das nicht. Acht Jahre Amerikanistik Studium, Helferin bei allen Wahlen, von Obama bis Clinton, und eigentlich eine emsige Leserin, aber meine weiße Privilegien-Brille hat es mich nicht realisieren lassen.

Augenblick mal. Sie deportieren die Eltern. Aber ohne die Kinder. Das geht nicht.

-Willkommen in Amerika.

Ich finde es erbärmlich, dass ich das nicht realisiert habe. Oder dass das passiert. Und die Kinder?

-Pflegefamilien.

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Das Buch war dann in wenigen Tagen und einer langen Bahnfahrt ausgelesen. Das ging sehr schnell. Das wurde sehr heftig. Ich will nichts Spoilern, aber es bleibt nicht bei dem Tag, an dem Diane Guerrero ihre Eltern verliert. Eigentlich beginnt die Geschichte da. Sie erzählt von all ihren Tiefen, und es wird grausam und krass.

Es motiviert aber auch. Es ist der eigentlich amerikanische Traum. Oder sagen wir einmal so: Ein Buch über das Träumen, und Träume, und was man dafür tun würde. Nichts für zarte Seelen, oder sehr empfindliche Menschen. Das kann einen sehr beschäftigen, gerade wenn man mit Depressionen kämpfen sollte.

Was sie grandios beschreibt, ist die Angst vieler Kinder von Migranten, etwas Künstlerisches anzustreben. Wenn deine Eltern so viel auf sich genommen haben, dir ein besseres Leben zu schenken, dann fühlt man sich, als ob man in der Schuld steht, was vernünftiges (aus sich) zu machen. Doch genau das kann einen auch kaputt machen.

An dieser Stelle möchte ich auch Emilia Smechowskis 'Strebermigranten' empfehlen. 

Es hilft, wenn man Diane Guerrero gar nicht kennt, ein paar Folgen ihrer Arbeit anzugucken, oder ein Interview. Das Buch ist teilweise sehr, uhm, jung geschrieben. Ich hab per se nichts gegen Hashtags in Büchern, oder Umgangssprache, überhaupt nicht, aber es hätte zu Beginn knackiger sein können. Doch wenn erst einmal drin ist, dann liest es sich richtig spannend.

Fantastisches Buch. Unbedingt lesen. Vor allen Dingen zur Zeit, mit allem was mit DACA passiert.

Folgt Diane Guerrero auf Instagram. Oder mir.

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Foto: © 2016 Larry D. Moore