Ein Leo Mantel geht ins Kino

Von Elina in Kolumne
Ein Leo Mantel geht ins Kino

Ich kann mich erinnern, als ich 8 Mile in diesem Kino gesehen habe. In der ersten Reihe, weil alles restlos ausverkauft war. Jetzt holt mich keiner nach dem Film ab. Während wir diese unfassbar vielen Treppenstufen hochsteigen sehen wir sie schon: Frauen. Seniorinnen, Omis, Rentnerinnen. Mit Tüchern und Strickjacken und gelegten Haaren. Oha denk ich mir. Sie gucken mich an, mit meiner Latzhose,der schwarzgelben Seidenbluse drunter, dem Leo Mantel drüber und der Pythontasche.

Wir reihen uns in die Schlange ein und wundern uns, dass dieser Film auch in der achten Woche noch so gut läuft. Wir waren davon ausgegangen, alleine im Kino zu sein. Ich guck mich um. Prinzessin Leia und die Black Panther Crew sind noch aufgestellt. Ein anderes Paar kommt die Treppe hoch, um die 50, beide sehen ein bisschen nach Geld aus, aber nicht zu viel und so, als ob sie was interessantes machen würden. Sie stellen sich hinter uns und ich denke mir, das könnten wir auch sein in 20 Jahren. Kurz nach der Silberhochzeit, keine Kinder mehr im Haus und immer noch samstagabends im Kino.

Der Kerl fragt mich, ob ich ein Glas zum Rotwein möchte. Ich gucke mir das Glas an und muss dankend ablehnen. Langsam nippe ich aus der kleinen Flasche und esse Popcorn. Um mich herum weinen die Omis und an den Wänden noch der gleiche rote Teppich. Auf der Leinwand geht ein Wahnsinnsfilm ab. 'Vergewaltigung ist das, Date Rape, was die da mit ihr machen', murmel ich und freu mich trotzdem an Hildes fantastischen Lederstiefeln und ihrem außerordentlich großem Kragen. Pppfff, so einen 80er Jahre Regenmantel ohne Taille kann auch nur Romy Schneider/Marie Bäumer tragen. Oder ich mache es das nächste Mal einfach. Sieht schon irgendwie cool aus. Baba sagt die Hilde.

Wie bist du auf den Film gekommen, fragt der Mann. Und ich sage, dass ich ihr Interview im DB Mobil Magazin gelesen habe. Dass ich noch nie was mit Romy Schneider, außer halt die Sissi, am Hut hatte. Nichts darüber weiß, aber einen Film über einen Moment immer interessant finde. Dass mich das richtig angeekelt hat, was der Mann mit ihr gemacht hat, diese plumpen, dummen, manipulativen Fragen. Die Frau war doch völlig betäubt, jeder Depp hätte da alles fragen können. Stell dir vor, eine Frau hätte sie interviewt, eine Mutter. Du weißt, dass das anders gelaufen wäre. Was bringt uns dieses Interview jetzt, wenn es unter diesen Umständen entstanden ist? Was soll daran ehrlich sein? Genauso echt wie das Lächeln auf den Bildern.

Und dann machen sie einen Film darüber, dass sie daran zerbrach, an dem Hass für diese Rolle, dass sie darüber definiert wurde in Deutschland, dass sie deshalb ging. Mit freiem Kopf, wie sie sagt. Und dann wird in dem Film bei jeder sich bietenden Gelegenheit über Sissi geredet.

Ich würd jetzt auch auf Kur wollen. Alleine auf ein Zimmer mit ganz viel Champagner und einer Hilde in Frankreich.

Ein Leo Mantel geht ins Kino