Jede Frau in Deutschland wird spätestens in der Schule im Sexualkundeunterricht aufgeklärt. Von der Pubertät, über die erste Menstruation bis zur Zeugung eines Kindes werden viele Fragen zur Sexualität beantwortet. Nicht selten unter nervösen Gekicher der Klassenkameraden.

Trotzdem wurde ich das Gefühl nicht los, eine ganze Menge über mich und meinen Körper zu wissen. Es begann mit der ersten Periode, die mit starken Krämpfen einherging, sodass ich mindestens einmal im Monat einen Tag zuhause bleiben musste. An den Schulweg war nicht zu denken. Der unangenehme Gang zum Frauenarzt brachte zwar die Info, dass ich keine Zysten habe und gegen die Schmerzen die Pille oder Schmerztabletten nehmen könnte. Warum es mir so elend ging, konnte er mir aber nicht erklären. Irgendwie nahm ich es als gegeben hin. Ist halt so.

Jetzt mit meinen Mitte 30 beschäftige ich mich immer ausführlicher mit meinem Zyklus und meiner Gesundheit. Doch mein Besuch eines Vortrags der Wissenschaftlerin Anna Buzzoni, Unternehmerin und Gründerin von Studio Medulla, einem interdisziplinären und vergleichenden Konzept für das Studium von Zyklen, sorgte für einen "mind blown"-Effekt. Ich merkte wieder einmal, wie wenig ich eigentlich über den Zyklus kenne und somit über den weiblichen Körper. Wusstest ihr, dass der weibliche Zyklus aus vier Phasen besteht, die sowohl die Gebärmutter, das Immunsystem und die Basaltemperatur beeinflussen?

Deswegen habe ich mich kurzerhand mit Anna zusammengetan, um häufig gestellte Fragen zur Menstruation, zur weiblichen Gesundheit und dem Zyklus zu beantworten. Während diese FAQ weiter wachsen wird, seid ihr herzlich dazu aufgerufen, eure Fragen an uns zu schicken und wir werden unser Bestes geben, sie zu beantworten.

Disclaimer: Anna Buzzoni und ich sind keine Ärzte. Die hier gegebenen Antworten sind sorgfältig recherchiert, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bei bestehenden Beschwerden sollte ein Arzt konsultiert werden. Eine Broschüre zur Pille und ihren Folgen findet ihr hier: Medulla Brochure - The Pill

Der weibliche Zyklus

Ich kriege meine Periode nicht, bin ich trotzdem noch Frau?

Die kurze Antwort lautet: Ja!

Manchmal funktionieren unsere Körper nicht so, wie sie es sollen. Der Menstruationszyklus bildet da keine Ausnahme. Tatsächlich ist er sehr sensibel und keine Priorität im Hinblick auf das (individuelle) Überleben. Deshalb wird die Menstruation abgeschaltet, wenn die Umstände vom Körper-Geist als nicht optimal empfunden werden. Dies hat jedoch keinen Einfluss auf den weiblichen Geschlechtsstatus, wenn man weibliche Fortpflanzungsorgane hat.

„Frau“ hingegen ist eine Geschlechtsdefinition. Es geht darum, sich als Frau zu identifizieren, sodass man eine Frau sein kann, auch wenn man keine weiblichen Organe hat. Außerdem wird man nicht als Frau geboren, sondern man wird zur Frau, um Simone de Beauvoir zu zitieren. Wenn man sich als Frau identifiziert und mit weiblichen Organen geboren wurde, aber aufgrund hormoneller Probleme keinen Menstruationszyklus hat, sollte man diese Probleme angehen, da sie sich auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken. Wir brauchen einen gesunden Zyklus, um gesund, stark und belastbar zu sein. Man sollte sich jedoch nicht in seiner Weiblichkeit gemindert fühlen. Genauso sind Frauen, die eine Brustamputation oder Hysterektomie hinter sich haben nicht minder Frauen, ebenso wenig diejenigen, die keine Kinder haben können oder wollen.

Verhütung

Was hat dich, Anna, dazu gebracht, die nicht-hormonelle Empfängnisverhütung von Sensiplan zu erforschen?

Ich war Anfang 30 und machte eine Routineuntersuchung bei meinem Berliner Frauenarzt. Es war nur ein Zufall, dass ich im Vorbeigehen erwähnt habe, dass „mein Zyklus regelmäßig ist". Der Arzt sah mich an und sagte: „Sie haben keinen Zyklus, der wird von der Pille unterdrückt“. Zuerst war ich verblüfft, aber dann fühlte ich Bestürzung. Wie konnte mein erster Frauenarzt mich so anlügen? Mir wurde ursprünglich die Pille gegeben, um meinen Zyklus zu „regulieren“.

Ich entschied mich genau dort und dann, den Nuvaring abzusetzen. Ich bin jedoch kein Fan von Kondomen und ich hatte eine stabile Beziehung. Deshalb fragte ich die Gynäkologin nach Alternativen. Sie sprach mit mir über Sensiplan, gab mir eine Broschüre und schlug mir vor, darüber nachzudenken. Zwei Monate später schrieb ich mich bei einem professionellen Trainer für den Kurs ein und entdeckte meinen Körper und meinen Zyklus. Ein bisschen fühlte es sich an wie eine Reise, die mich verzaubert, begeistert und erstaunt hat. Sensiplan ist sicher nicht für jedermann, da es tägliche Beobachtungen erfordert, aber für mich funktioniert es wirklich gut. Es ist auch nicht mehr so aufwändig, wie am Anfang. Vor allem tue ich es aber meiner Gesundheit zuliebe.

Menstruation

Wir alle haben von dem erhöhten Thromboserisiko bei Einnahme der Pille und Rauchen gehört. Gibt es andere gesundheitliche Risiken in Bezug auf die Pille?

Die Liste ist leider sehr lang. Es gibt einige Unterschiede zwischen der kombinierten Formel oder der reinen Progestinformel (eine Erklärung der verschiedenen Formeln gibt es in der Medulla-Broschüre). Die häufigsten Gesundheitsrisiken sind:

  • Brustkrebs
  • Depression und PMS
  • Verlust der Libido, Schrumpfen der Klitoris, geringere Anzahl von Orgasmen
  • Verlust der Knochendichte
  • Vitamin- und Nährstoffmangel
  • Veränderungen der Glukoseregulation, Kalium- und Natriumwerte
  • Veränderung des Darmmikrobioms
  • Polyzystisches Ovarialsyndrom durch die Pille verursacht
  • Geschlechtsverkehr mit dem falschen Partner

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und enthält nur die am häufigsten auftretenden Risiken. Manchmal handelt es sich nicht nur um Risiken, sondern auch um tatsächliche Konsequenzen. Zum Beispiel haben alle Frauen, die hormonell verhütet werden, eine kleinere Klitoris, eine geringere Knochendichte und einen Vitamin B-Mangel, wie Studien gezeigt haben.

Ich benutze eine Menstruationstasse und habe das Gefühl, dass meine Periode jetzt kürzer ist. Ist das möglich?

Ja, die meisten von uns haben so etwas beobachtet, nachdem wir angefangen haben, die Tasse zu benutzen. Der Grund ist, dass die Tasse das Blut an der Quelle sammelt, das heißt am Gebärmutterhals. Wenn man Binden verwendet, treten längere Blutungen auf, da die letzten 24 bis 48 Stunden als „Kanalreinigung“ bezeichnet werden. Mit anderen Worten: die Periode ist bereits vorbei, aber die Vagina benötigt noch etwas Zeit, um sich selbst vollständig zu reinigen, obwohl die Quelle sozusagen aufgehört hat zu lecken :)

Einige Frauen erleben auch eine Minderung der Krämpfe und Schmerzen, wenn sie auf die Tasse (oder Bio-Binden und Tampons) umsteigen. Wenn du zu ihnen gehörst, bedeutet dies wahrscheinlich, dass du sehr empfindlich auf endokrine Disruptoren reagierst, die in modernen Tampons und Binden enthalten sind.

Endokrine Disruptoren sind chemische Substanzen, die unsere hormonelle Gesundheit stören. Wir sind ihnen alle ausgesetzt, aber manche Menschen reagieren sensibler. Wenn du zu ihnen gehörst und an Menstruationsstörungen leidest, solltest du dich über sie informieren, worin sie sich befinden und wie du sie so weit wie möglich vermeiden kannst.

Was kann passieren, wenn ich vergesse, die Menstruationstasse zu leeren?

Es ist keine gute Idee, die Tasse länger als 8 Stunden zu vergessen, wenn auch es weniger riskant ist, als 8 Stunden lang einen Tampon zu vergessen. Menstruationsblut ist vollkommen gesund, rein und sauber, wenn es aus deinem Körper austritt. Es ist die Luft, die mit der Zeit beginnt, es abzubauen. Obwohl die Tasse ein Vakuum erzeugt, ist immer noch ein wenig Luft vorhanden, und nach 8-12 Stunden beginnt sich das Blut zu zersetzen, sodass es beginnt zu riechen und womöglich gesundheitsschädlich werden kann.

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