Vor ein paar Jahren saßen Svenja und ich in meinem Wohnzimmer in Moabit und zwischen uns lag ein Baby. Und lachte! Laut! Während wir an einem ganz anderen Baby rumbastelten, unserem gemeinsamen Blog.

Beide Babys sind groß geworden und auch wenn ich bei beiden von Anfang an dabei war, habe ich im letzten Jahr so gut wie gar keine Zeit mehr für Schnitzel & Schminke gehabt. Das tut weh. Berlin habe ich verlassen, meinen Vollzeitjob habe ich ebenfalls aufgegeben und seit letztem Sommer bin ich wie Svenja selbstständig. Die Aufträge waren zwar von Anfang an da, aber das Klischee bestätigte sich ziemlich schnell: Man arbeitet selbst und ständig. Jetzt sitze ich auf der Couch mit meinem Mann, versuche einen Film zu gucken, will aber auch diesen Text vor Silvester fertig kriegen.

Mir fehlt das Bloggen, mir fehlt es, mich in einem Buch zu verlieren, mir fehlt es, zu schreiben. Doch wer sagt, Geld ist nicht alles im Leben, hat entweder schon genug, oder keine Rechnungen. Ich mag es zu arbeiten, aber das unentgeltliche Schreiben wird da nicht priorisiert. Leider. Und irgendwann sitzt man da und guckt sich den Blog an, und stellt fest, es sind sechs Monate vergangen und du hast nichts geschrieben. Rein gar nichts. Lustigerweise kam es mir nicht wie ein halbes Jahr vor. Eher so wie ne Woche.

Was ich 2018 noch gelernt habe: wenn Kinder älter werden, werden sie zwar selbstständiger, brauchen dich aber nicht weniger. Vielleicht werden ihre Bedürfnisse sogar stärker. Wenn ich jetzt für fünf Tage verschwinde, um Termine in Berlin wahrzunehmen, juckt es mein Kind schon. Es wird gefragt, auch mal geweint, und vor allen Dingen ist die Zeit danach umso intensiver. Versteht mich nicht falsch, ich fahre deshalb dennoch weg, denn das Kind hat auch einen Papa und Großeltern, die sich mindestens genauso gut kümmern.

Ich bin jetzt anders müde als mit Baby oder kleinem Kleinkind. Mein Kopf ist müde. Unter Schlafmangel lief ich zu Hochtouren auf, schrieb eine Masterarbeit, übersetzte und kümmerte mich um Artikel. Und jetzt? Trotz geregeltem Schlaf und Alltag habe ich das Gefühl, nichts beschreiben oder analysieren zu können, nichts lesen oder schreiben zu können, ohne dass ich weiß, dass es mir gut geht, meinem Kind gut geht, meiner Ehe gut geht. Aus dem Baby ist eine richtige Person geworden, die diskutiert, bockt, schreit, streitet und Witze reißt. Manche sagen ja, dass kleine Kinder wie besoffene Erwachsene sind. Und sich tagein tagaus mit besoffenen Erwachsenen auseinanderzusetzen strengt an.

Svenja und ihr Mann Philipp sind die Foundation, das Gehirn und das Herz von Schnitzel & Schminke. Svenja ist, wie ich nicht müde werde, Leuten immer wieder zu erzählen, ist ein Social Media, Community Management und SEO Genie. Wirklich. Alles, was wir mit unserem Blog erreicht haben, haben wir ihr zu verdanken. Das Magazin, der Newsletter und die über 4.500 Menschen, die uns auf Facebook folgen, sind ihr Verdienst. Sie hat unfassbar viel Zeit und Energie in unseren Blog gesteckt, wofür ich an dieser Stelle auch noch einmal DANKE sagen möchte.

Ihre Themen, wie sie den Blog geformt hat und ihre Vision, was sie mit dem Blog noch erreichen möchte, sind beeindruckend. Sie trifft den Nerv, wenn es um Nachhaltigkeit, Menstruationsprodukte und Verhütungsprodukte geht. Ihre Reiseberichte sind inspirierend und wunderschön! Manchmal bin ich froh, wenn wir es geschafft haben, zu dritt zu Abend zu essen. Und am nächsten Tag die richtigen Gummistiefel im Kindergarten stehen. Und hey, ich muss das nur jeden zweiten Tag machen.

Svenja inspiriert mich. Und ich wünschte ich könnte das wieder für andere tun. Das letzte Jahr hat mir gezeigt, dass das im Moment und in Zukunft nicht so möglich ist und sein wird, wie es einmal war.

Svenja hat Schnitzel & Schminke zu etwas gemacht, auf das sie stolz sein sollte. Ich danke dir für die gemeinsame Zeit.

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