Julia Jessen: Die Architektur des Knotens

Von Elina in Bücher
Julia Jessen: Die Architektur des Knotens

Oh, wie ich mit diesem Buch gekämpft habe. Ich glaube auf den ersten zehn Seiten sind ungefähr acht Eselsohren, genauso viele Post-its und dann noch Bleistiftnotizen. Passgen wurden wie wild per WhatsApp an befreundete Mütter geschickt und heftigst diskutiert.

Julia Jessen: Die Architektur des Knotens

Doch worüber ich am Anfang noch gekonnt hinwegsehen konnte, ging mir irgendwann auf den Keks: ewig lange Beschreibungen von jedem Pillepalle-Gedanken. "Elina das muss so! Es soll Menschen geben die mögen das!" sagte meine Literaturagentin und guckte mich an, als ob ich noch ein Buch fertig zu schreiben hätte oder so. Was weiß ich.

In allen Häusern gibt es Tische. Und immer eine Familie. Eine Familie hat in ihrer Welt offensichtlich aus vier Leuten zu bestehen, so kennen sie es.

Das Buch fucked hart mit dem Kopf, ziemlich schnell. Der Grund ist Yvonne und ihre nicht enden wollenden Gedanken und Hinterfragungen. Yvonne beobachtet ihre Kinder beim Spielen, und fragt sich, warum sie immer alles korrigieren will. Yvonne guckt ihren Mann an, und denkt sich, dass er ihr auf den Sack geht. Dann fickt sie einen anderen Mann und verlässt das Haus, bzw. wird rausgeschmissen und denkt noch ein bisschen mehr.

Mini Spoiler Alert: Irgendwann gucken wir nicht nur in Yvonnes Kopf, sondern auch in andere Köpfe und dann geht es etwas mehr ab. Davon hätte ich mir noch mehr gewünscht. Doch es geht hier ja um Yvonne.

Pombärland ist das Land, in dem ich lebe. Ein Land, in dem man Kekse in Bärenform presst, genauso wie Wurst und Hähnchenfilets, in dem wir unser ganzes Leben in Bärchenform pressen. Aarmaan hat mir ein Wort geschenkt, das auf magische Weise zusammen fasst, was ich in meinem Leben nicht mehr will. Deswegen bin ich lieber mit Kindern. Deswegen wandere ich jeden Tag durch diesen Monsterapparat. Aarmaan ist ein Poet. Ist mir scheißegal, dass es Pommerland heißt.

Ach ja, Yvonne ist Grundschullehrerin. Das heißt sie hinterfragt auch die Art und Weise, wie wir unsere Kinder unterrichten lassen. Sollten wir alle mal. Meine Freundin Alu hatte da letztens auch ein paar Gedanken. Und auch Mareike Kaiser. Uh, ganz ehrlich, könnte kotzen bei dem Gedanken, dass mein Kind mal in eine normale Schule muss.

Jemanden besitzen zu wollen, ist ein ziemlich kapitalistischer Gedanke.

Ich will euch das Buch nicht Spoilern, aber wenn ihr auf Gedanken steht, da sind viele gute drin.

Themen: Was ich gerade lese

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