Was man nicht zum 1. Geburtstag braucht: Eine Anti-Geschenkliste

Von Elina in Kolumne
Was man nicht zum 1. Geburtstag braucht: Eine Anti-Geschenkliste

Im Moment heiraten alle, kriegen alle Babys und alle feiern den ersten Geburtstag. Wir sind in dem Alter, in dem das einfach gerade passiert, Domino Style. Denn während sich in Berlin grad alle wieder trennen, wird auf dem Land in NRW kräftig gebärt, gebaut und gefeiert. Whatever floats your boat.

Da nun die Tipps zu Geburtsgeschenken so gut bei euch ankamen, und mehrere mich baten, das Gleiche bitte für jedes Alter zu schreiben, fange ich mal mit dem ersten Geburtstag an. Dann könnt ihr wieder schon den Artikel weiterleiten an die Leute, die euch fragen, was sich denn der kleine Mausepups wünscht.

Der kleine Mausepups wünscht sich gar nichts! Der Pups ist ein BABY! Ich bin kein Fan von Überraschungen für mein Kind. Das endet grundsätzlich in Zeug, das ich weiter verschenken muss oder diskret entsorge. Ihr braucht auch überhaupt nicht lustig sein, wenn ihr was verschenkt, um die Eltern ein bisschen zu foppen. Haha, das sind dann die Eltern die sich nicht mehr bei euch melden. Deshalb:

Eltern fragen!

Echt mal, ist das nicht der simpelste Trick überhaupt? Viele haben eine Amazon Wunschliste, oder eine Geschenkeliste in einem großen Kinderladen. Wenn das mega höfliche Eltern sind, die sich nicht trauen, einen bestimmten Wunsch zu äußern:

Geld und Gutscheine

Wenn das Kind ein Jahr alt wird, haben diese Eltern gerade ein Jahr Elternzeit hinter sich. Je nach Situation der Familie ist das auch ein enormer finanzieller Stress, den die Elternzeit mit sich bringt. Schenkt Geld, oder Gutscheine eines Drogeriemarktes oder eine Schuhladens. Entweder das Geld landet auf dem Konto des Kindes oder es wird für wichtige Sachen ausgegeben (Wein), kann euch aber egal sein. Tut euch mit mehreren Freunden zusammen, und schenkt einen großen Gutschein, aber bitte nicht von einem Spielzeugladen. Wenn ihr richtig cool seid, schenkt irgendwelche Aktien, oder Bausparverträge, oder weiß der Kuckuck was. Im gleichen Zug könnt ihr der Mama das Buch von Madame Moneypenny aka Natascha Wegelin: Wie Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen können. Oder lest es selber, und schenkt es weiter. Denn:

Bücher gehen immer

Wir haben unserem Kind schon sehr früh 'richtige' Geschichten vorgelesen. Die Karton-Bauernhof-Tierphase war da mit dem zweiten Geburtstag fast schon abgeschlossen. Wenn es grad Sommer ist, geht einfach auf den nächsten Flohmarkt, und kauft ein Riesenpaket Bücher, ganz viele verschiedene Altersstufen, ganz viele verschiedene Inhalte. Das ist dann nicht nur richtig gut für die Umwelt, sondern hat auch den Effekt, dass die Eltern sich keine Gedanken machen müssen, dass das 'gute neue teure Buch von Tante Erna' schon angeknabbert oder bemalt ist. Oder ihr lasst euch bei meinen Buchvorschlägen inspirieren: Kinderbücher zum Thema Kreativität und Kinderbücher zum Thema Wasser Eis und Meer. Die Dino- oder Walphase kommt. Meistens.

Nichts mit Batterien

Ich kann das echt nicht oft genug sagen. Das Alter kommt früh genug. Und wenn Eltern sich dafür entscheiden, dass sie in ihrem Zuhause etwas haben möchten, das blinkt, surrt und biept, dann sollen sie sich das selber kaufen. Ihr wollt nicht der Freund sein, der auf ewig der Onkel mit dem schrecklichen Feuerwehrauto sein wird. Den Ruf kriegt ihr nicht mehr weg.

Spielzeug finde ich generell schwierig. Ich war aber ein spezieller Fall, und habe zum ersten Geburtstag ernsthaft ganz viele kleine Geschenke gekauft und sie dann in der Verwandtschaft verkauft. Das ist schon sehr, sehr kontrollierend. Aber alle waren glücklich! Wir haben keinen Scheiß gekriegt, ich wusste was kommt, und die anderen mussten sich nicht stressen. Win Win.

Spielzeug an sich...

Niemand kennt das Kind so gut wie die eigenen Eltern, daher so oder so: Punkt 1, Eltern fragen. Aber mal ganz kurz zu den Dingen, die wir so zum ersten Geburtstag bekommen haben, die nie wieder angerührt wurden:

  • ein überdimensional großer Stoffhund. Ich rede von Mastschweingröße. Unsere Freude hielt sich in Grenzen. Das Kind interessiert sich nach wie vor nicht wirklich für Stofftiere, also liegt das Riesending bis heute im Bett als Kissen, wird aber als Tier nicht benutzt.
  • ein viel zu kleiner Cowboyhut. Unser Kind hatte und hat einen riesigen Kopf, nur glaubte mir das nie jemand.
  • Ein Bobbycar mit Anhänger. Unser Kind sitzt nicht, weil es mit zehn Monaten laufen konnte. Es interessiert sich bis heute nicht für Laufräder, Dreiräder, Fahrräder oder Trecker, oder Bobbycars. Wurde de facto nie benutzt.
  • Ein Hüpfpferd und ein Hüpfschwein. Siehe Bobbycar.

Kleidung

Lasst es sein. Ihr könnt nicht gewinnen. Entweder es passt nicht, oder die Eltern (ok, Mama) finden es hässlich, oder es ist zu schick, oder es nicht Jahreszeitenkompatibel wenn es passen wird. Hier ist mein Tipp: Schenkt Gummistiefel oder Matschhosen in verschiedenen Größen. Gummistiefel braucht man IMMER. Und ab einem gewissen Alter auch mindestens doppelt (Kita und zu Hause). Ein Paar ist immer nass, oder in der Wäsche, you know. Wir haben bis heute ein Kind, das sehr, sehr schnell und viel wächst. Man hätte uns eigentlich zum ersten Geburtstag nur Klamotten in Größe 98 kaufen können, und es hätte gepasst. Kauft coole Jogger, Hosen mit breitem Stoffbund, wenn ihr unbedingt müsst. Aber keine Baby-Jeans mit Knöpfen: Bauchschmerzen.

Windeln und Essen

Wenn eure Freunde Wegwerfwindeln benutzen, erkundigt euch nach der aktuellen Größe, und bringt ein Paket mit. Dazu gleich noch Sensitiv Feuchttücher. Ansonsten: Wenn das Kind Brei kriegt, dann bringt Gläser mit. Holt euch im Drogeriemarkt tonnenweise zucker- und salzfreie Snacks für Kinder und boom, ihr seid der Held.

Passt einfach auf das Kind auf

Wir hätten kein einziges Geschenk gebraucht, außer Babysittergutscheine. Vor allen Dingen kinderlose Freunde, die sich das Kind mal schnappen, oder uns rausschmeißen, damit wir uns einen schönen Abend machen. Helft, hebt das Kind hoch, bringt Essen vorbei, erkundigt euch, gebt nicht auf.

Schenkt den Eltern was.

Bringt Alkohol mit, oder einen Spa Gutschein. Dieser Geburtstag ist nicht für das Baby, der ist für Mama und Papa, die sich noch nicht gegenseitig getötet haben und dieses anstrengende erste Jahr überstanden haben. Bietet an, die Torte zu backen, oder Steaks für alle zu braten. Bestellt die Pizzen und bezahlt sie. Macht euch nützlich.

Photo by Casey Murphy on Unsplash