Wandern in Schottland: Mein erster Wanderurlaub

Svenja - Samstag, 16. Dezember 2017

Irgendwann war er einfach da: Der Gedanke, in Schottland wandern zu gehen. Alleine. Ich bin noch nie zuvor im Wanderurlaub gewesen und hatte Sonntagsspaziergänge mit der Familie als furchtbar langweilig in Erinnerung. Doch neuerdings freue ich mich draußen in der Natur und in Bewegung zu sein. Werde ich etwa alt? Vermutlich. Sitze ich im Alltag zu viel? Definitiv. Kann einem die Großstadt manchmal zum Hals raushängen? Auf jeden Fall.

Der Plan waberte also im Kopf herum. Nächster freier Zeitraum zeichnete sich im November ab. Ich hatte mir schon im Sommer vorgenommen den November freizumachen. Wandern in Schottland im November... ein schottischer Freund warnte mich bereits: Entweder es wird ganz ok oder end-of-the-worldish. Das Wetter war mir allerdings echt egal. Gegen raue Natur habe ich nichts einzuwenden, solange ich richtig angezogen bin. Mental auf das schlimmste vorbereitet zu sein hilft aber immer.

Die Vorbereitung

Ich hab mich durch zahlreiche Wander- und Outdoorblogs gewühlt, fand aber mein digitales Zuhause bei Fräulein Draußen. Tolle Tipps und Anekdoten, dazu Empfehlungen für die richtige Bekleidung und spannende Reiseberichte. Kathrin, also Fräulein Draußen, unternahm ihren ersten Wandertrip ebenfalls nach Schottland, was ein Zufall! Allerdings war sie zeitlich etwas früher dran als ich, nämlich im Herbst. Im Vergleich zu ihr konnte ich mir aber für November sicher sein, dass es keine Midges mehr geben würde. Das sind die fiesen, blutsaugenden Insekten, für die Schottland berühmt-berüchtigt ist. Wer sie noch nicht kennt, hier eine kleiner Eindruck:

Meine Reiseroute:

Zu Beginn der Planung stand lediglich Schottland, ein wenig eingegrenzter die schottischen Highlands. Isle of Skye hatte ich schon eine Weile auf meiner Agenda, doch wie komme ich dort am besten hin, ohne unendlich viel Zeit im Auto/Bus zu verbringen? Nach langem Hin- und Her sah meine Route am Ende so aus:

Nach Glasgow kommt man sehr günstig, da zahlreiche Airlines von Berlin aus dahinfliegen. Damit ich nicht einen kompletten Tag nur im Bus sitze, entschließe ich mich für einen Zwischenstop in Fort William. Zum Einen gibt es dort schöne Wanderwege und man ist direkt an einem Loch (im Sinne von Gewässer ;) ) und ich habe alle möglichen Ausflugsziele zur Auswahl, zum Beispiel das Glenfinnan Viaduct (das jeder Harry Potter Fan kennt). Ein Tagestrip nach Fort Augustus musste sein, denn in die schottischen Highlands kann ich nicht ohne einen Besuch von Loch Ness.

Die Busfahrt von Fort William nach Portree ist wunderschön. Ich habe unzählige Regenbögen gesehen und konnte mich an den Bergen, Wasserfällen, Wiesen und Seen nicht satt sehen.

Portree ist ein winziges, niedliches Dorf, das aber hervorragende Restaurants hat. Von hier aus bieten sich Bootstouren, oder eben auch Wandertouren an. Ich wanderte von Portree Richtung Kilmaluag, hoch zum Old Man of Storr, weiter zum Kilt Rock und den Mealt Falls und durfte nach 32 Kilometern feststellen, dass ich ganz schön kaputt bin. Doch dazu mehr im kommenden Blogartikel.

Kilmaluag ist ein winziges Dorf (oder vielmehr ein paar Häuser, die dichter beieinander stehen als im restlichen Umland) und direkt am Wasser gelegen. Die Ruhe war unbeschreiblich schön. Außer dem Mampfen der Schafe und Kühe hört man höchstens den Wind. Herrlich!

Uig ist eine kleines Dorf, das vor allem aufgrund des Fährhafens zahlreiche Touristen sieht. Außerdem kann man von hier aus zum Fairy Glen wandern. Ein Ort, den man nachsagt, dass Feen dort wohnen.

Ohne Auto an's Ziel

Ich hatte länger mit mir gerungen, ob ich mir einen Mietwagen buche, oder aber mit Bussen fahre. Für den Mietwagen spricht die Flexibilität, die zeitliche und räumliche Ungebundenheit. Im Linksverkehr war ich bisher noch nie unterwegs, das würde also einen gewissen Nervenkitzel mit sich bringen. Nachdem ich alles durchgerechnet hatte, kam ich letztlich mit den Bussen unterm Strich günstiger (und stressfreier) weg. Zumal ich so während der Fahrt schon die Landschaft genießen konnte.

Das Busnetz in Schottland ist sehr gut ausgebaut und die Fahrer allesamt wirklich nett und charmant. Das ist man ja andernorts nicht unbedingt gewöhnt. Ich reist mit First Bus und dem National Express. Im November ist Nebensaison, sodass ich kurzfristig entscheiden konnte, welchen Bus ich nehme. In der Hauptreisezeit kann es allerdings passieren, dass Busse ausgebucht sind. Schaut also immer nach, wie ausgelastet die Strecken sind. Isle of Skye hat in den vergangenen zwei Jahren einen unheimlichen Touristenzuwachs bekommen, selbst entlegene Orte wie Kilmaluag boomen.

Die Wanderrouten

Hier wurde es tatsächlich ein wenig knifflig für  mich, da ich nicht den geringsten Plan von Wanderkarten habe und mein letztes Kompasstraining ein paar Jahre (Jahrzehnte) zurücklag. Glücklicherweise fand ich beim stundenlangen googeln, dass es parallel zu vielen Straßen oft Fußwege gibt und man gerade dort, wo die Straße einspurig wird, problemlos auch auf und neben der Straße laufen kann. Das gab mir auch die Sicherheit, sollte das Wetter richtig bedrohlich werden oder mir die Luft ausgehen, mit dem Linienbus weiterfahren zu können.

Was als Anfänger schwierig einzuschätzen ist, wie lange man von A nach B braucht. Denn abhängig vom Wetter, dem Gewicht des Gepäcks, der Steigung und der eigenen Tagesform gibt es immer noch eine Menge Spielraum. Im ersten Wanderurlaub wollte ich daher auf Nummer sicher gehen und wählte einfache Wanderwege oder eben solche, die parallel oder auf der Straße verliefen.

Sowohl in Fort William, als auch in Fort Augustus, kann man auf den Great Glen Way aufspringen, der von Fort William nach Inverness führt. Eine Gesamtlänge von 117 Kilometer ist der Wanderweg nicht gerade von Pappe für einen Anfänger wie mich. Zumal mein Ziel ja auch nicht Inverness war, sondern Isle of Skye. Aber trotzdem boten sich kleinere Tagestouren auf dem Great Glen Way an, der sehr gut in Etappen runtergebrochen werden kann. Außerdem ist er perfekt ausgeschildert, sodass verlaufen quasi ausgeschlossen ist.

Hilfreiche Seiten für Wanderrouten

Mir sind bei der Recherche viele gute Seiten über den Weg gelaufen. Ein paar waren aber besonders anfängerfreundlich aufgebaut, dass ich sie unbedingt teilen muss:

Ich werde in den kommenden Tagen und Woche zu den einzelnen Etappen schreiben und meine Erlebnisse mit euch teilen. Denn bei so vielen Fotos, ruhigen und aufregenden Momenten, dem leckeren Essen und den fantastischen Menschen wäre es unmöglich alles in einem Artikel zu verwursten. Stay tuned oder so :)

Schlagwörter: Glasgow, Isle of Skye, Midges, Reisen, Schottland, wandern

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