Neulich saß ich mit einer Freundin zusammen und wir guckten uns Fotos unserer Jugend an. Oha, da waren ein paar schlimme Sachen dabei: verblichene Bilder, erste Handybilder mit allerschlimmsten Filtern, und du meine Güte, auch ein paar echt schlimme Styles. Während sie vor allem in der Technoszene unterwegs war und dementsprechend edgy gestylte war, war ich eher in der Punk-Rock-Indieszene unterwegs mit braunen Cordhosen und roter Adidas-Jacke. Ein schöner Mix...

Doch so sehr sich unser Äußeres auch verändert hat, hat unser Musikgeschmack jedem Wandel standgehalten. Sie hört immer noch Techno und Minimal, ich immer noch Rock und Indie. Schon erstaunlich, wie wenig sich da selbst nach Jahrzehnten verändert.

Durch Höhen und Tiefen mit Friska Viljor

Eine Band,mit der ich besonders viele Erinnerungen verbinde, der ich nun schon seit gut zehn Jahren treu bin, heißt Friska Viljor. Sie kommen aus Stockholm, wo ich sie auch das erste Mal sah irgendwann zwischen 2008 und 2009. Eins der ersten Konzerte, das ich sah, fand in der Lilla Hotellbaren (kleine Hotelbar) des Scandic am Medborgarplatsen statt. Ich liebte sie sofort: Sie sangen (und singen bis heute) nicht perfekt, dafür mit umso mehr Herz, Humor, und allen anderen Emotionen.

Ich liebe ihre Leichtigkeit und ihr bildhaftes Geschichtenerzählen. So sehr, dass ich sie 2017 ganze vier Mal in einem Jahr sah. Das kann bislang nur meine Mando Diao Besessenheit toppen. Meine Liebe zu Friska Viljor ist deutlich gesünder, kann man so sagen.

Friska Viljor schlagen andere Töne an

Jedes Konzert ist eigentlich von ausgelassenem Tanzen und Mitgröhlen geprägt. „Eigentlich“ schreibe ich deshalb, weil sie mit ihrem neuesten Album ungewohnt traurige Töne anschlagen. Hintergrund ist, dass Joakim, einer der Sänger, vor zwei Jahren von seiner Freundin verlassen wurde, mit der er auch zwei Kinder hat. Der schmerzhaften Trennung und dem Zerbrechen seiner Familie geben Joakim und Daniel Raum auf dem neuen Album „Broken“.

„Nachdem meine Familie auseinanderbrach, sagte ich Daniel, dass ich keine Musik mehr machen will […] er antwortete: ‚Lass uns keine voreiligen Schlüsse ziehen. Lass uns die Band auf Eis legen. In zwei Jahren wirst du wieder Musik machen wollen.‘ Und zwei Jahre später sind wir nun hier.“

Die vergangenen zwei Jahre, die alles andere als einfach gewesen sein müssen, haben nun Raum auf dem neuen Album bekommen und schließen direkt eine Tour an.

Broken

Ein Album aufzunehmen und darin den Schmerz zu verarbeiten ist das Eine, sich aber vor eine Menschenmenge zu stellen und die Songs zu verformen ist eine ganz andere Angelegenheit.

Selten hatte ich so unmittelbar das Gefühl, mit einer Band sämtliche Höhen und Tiefen mitzuerleben. Nicht nur, dass ich mit ihren Liedern zahlreiche Veränderungen in meinem Leben verknüpfe, sie lassen mich auch an ihren Veränderungen, und ein stückweit ihrem Erwachsenwerden teilhaben.

In Liedzeilen wie „I am not in love with you If you are not in love with me so I want to break up!” oder “I miss you when you sleep”, das an seine Kinder gerichtet ist, klingen sowohl die tiefe Verletzung, aber auch gehöriger Trotz durch. Dennoch sind die traurigen Songs allesamt bühnentauglich und lassen nicht den typischen Sound von Friska Viljor vermissen.

Damit die Konzerte bei all dem Schmerz keine Trauershow werden, endet selbst nach dem Erscheinen des neuesten Album die Konzerte mit Shotgun Sister von ihrem ersten Album Bravo!

© pitpony.photography / CC-BY-SA-3.0