Es war mein gesamtes Berufsleben mein Traum gewesen, irgendwann als Freelancer die Möglichkeit zu haben, von wo auch immer zu arbeitenn. Ein digitaler Nomade, nur eben nicht in dem Ausmaß, dass ich jede Woche woanders sein möchte. Aber prinzipiell nicht an einen Ort gebunden zu sein, das wollte ich. Die Freiberuflichkeit sah aber lange so aus, dass die Kunden darauf bestanden, dass ich in der Zeit, in der ich für sie arbeite, auch vor Ort bin. Völlig unabhängig davon, dass ich meistens alleine im Büro saß, weil alle Mitarbeiter Tag für Tag Meetingmarathons hinlegen. Ich wiederum hetzte von Auftraggeber zu Auftraggeber und fühlte mich am Ende des Tages völlig erledigt und ausgelaugt. So hatte ich mir das ursprünglich mit der Selbstständigkeit nicht gedacht.

Dann kam Corona und damit das Homeoffice. Die Agenturen und Unternehmen stellten mit einiger Überraschung fest, dass ihre Mitarbeiter und Freelancer auch von zuhause aus arbeiten. Dass die Arbeit tatsächlich erledigt wird, ohne dass man vor Ort ist. Damit eröffneten sich für mich auch völlig neue Optionen. Ich war plötzlich nicht mehr an Berlin gekettet und machte den Traum vom Umzug nach Oslo wahr. Ich arbeitete fortan aus meiner Osloer Wohnung, was für die ersten sechs Wochen auch großartig war. Aber ich fing an mich nach etwas Gewusel und anderen Menschen zu sehnen. Zumindest an vereinzelten Tagen wollte ich das Gefühl eines Arbeitsplatzes haben und mich weniger isoliert fühlen. Genau dafür gibt es Co-Working-Spaces und Cafés mit Wifi.

Die nachfolgenden Spots habe ich alle getestet und für gemütlich und zweckmäßig befunden.

Sentralen

Wie der Name schon sagt, befindet sich Sentralen sehr zentral in Oslo auf der Ovre Slottsgate 3. An das weitläufige Café ist ein Restaurant angeschlossen (oder vielmehr vice versa), beide befinden sich in einem alten Bankgebäude. Der Gang zwischen Restaurant und Café wird als Wintergarten bezeichnet und bietet zusätzliche Sitzplätze, die bei Studenten sehr beliebt sind. Am Café mag ich die Auswahl an Snacks, sowohl Sandwiches und Salate, als auch warme Speisen wie die Tagessuppe und Pizza und die saisonalen Heißgetränke.

Das Wifi ist stabil und die langen Tischreihen mit Steckdosen sind perfekt für einen Arbeitstag.

Sentralen, Ovre Slottsgate 3, Mo-Fr 8-19 Uhr, Sa-So 11-17 Uhr.

Coworking und Cafés mit Wifi in Oslo

Mesh Nationaltheatret

Einer der bekanntesten Co-Working-Spaces in Oslo, der Anfang 2021 noch eine weitere Location am Youngstorget eröffnen wird. Wer sich aber nicht auf eine Mitgliedschaft committen möchte, kann auch die Plätze beim hauseigenen Café nutzen. Dort gibt es Stromanschlüsse, gemütliche Sitzecken und eine Gäste-Wlan.

Wer hingegen Mitglied werden möchte, sollte frühzeitig mit der Anmeldung loslegen, da die Mühlen hier ein wenig langsamer mahlen. Ab der ersten Anmeldung bis zu meinem ersten Tag im Co-Working vergingen zwei Monate samt vier Nachhak-Mails. Eine Mitgliedschaft hat gerade für Freelancer und Auswanderer den Vorteil, das man Kontakte knüpfen kann, sowohl digital über den Mesh-Slack-Channel und die Community-Plattform als auch bei Events und in der Lounge.

Mesh, Tordenskiolds gate 2

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Deichman Biblioteket

Noch konzentrierter und schöner kann man in Oslo wohl kaum arbeiten: aus der relativ neuen Bibliothek. Man überblickt den gesamten Oslofjord, wenn man einen Platz im sechsten Stockwerk ergattert. Die Plätze sind tatsächlich sehr beliebt und es passiert erstaunlich oft, dass man vor der Bibliothek in einer Warteschlange steht. Früh kommen lohnt sich. Man darf sogar Getränke mit hineinnehmen und im Erdgeschoss der Bibliothek gibt es ein Café.

Zur Zeit von Corona gibt es eine maximale Aufenthaltsdauer von zwei Stunden.

Hinweis zum Bild: Die rechte obere Ecke, die aus dem Gebäude ragt, beherbergt die Arbeitsplätze. Schöner geht es wohl kaum.

Deichman Bjørkvika, Anne-Cath. Vestlys plass 1, Mo-Fr 8-22 Uhr, Sa-So 10-18 Uhr

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Pust (Majorstuen)

Von außen habe ich meistens nur das kleine Schaufenster wahrgenommen, in dem sich Personen hinter ihren Macbooks und Büchern verschanzen. Dass hinter den aufgereihten Menschen an Laptops aber noch mehr Platz verbirgt, habe ich erst bei meinem ersten Besuch festgestellt. An dieser Stelle aber dennoch der Hinweis: Die Sitzplätze sind beliebt und es lohnt sich unbedingt früh zu kommen oder auf sein Glück zu vertrauen.

Heißer Tipp: Probiert die Zimtschnecken!

Pust, Slemdalsveien 1, Mo-Fr 8-18 Uhr, Sa 11-17 Uhr, So 12-17 Uhr

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Espresso House (Parkveien)

Wenn ich Lust auf einen Kaffee habe und zumindest mal für ein bis zwei Stunden aus dem Haus kommen möchte, ziehe ich meist zum Espresso House am Parkveien. Hier gibt es zahlreiche Sitzplätze, sowohl an hohen Tischen als auch auf Sofas. Mir gefällt das Wuselige hier und die stabile Wifi-Verbindung. Stromanschlüsse gibt es jedoch keine. Komm also besser mit einem vollen Akku her. Die Aussicht zum Park, der Mix aus Studenten, frischgebackenen Eltern, Geschäftsleuten und Spaziergängern vom nahe gelegenen Park sorgen für einen guten Vibe.

Espresso House, Parkveien 27, Mo-Fr 7-18 Uhr, Sa 7:30-18 Uhr, So 8-18 Uhr

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