Traumpfad München-Venedig: Erfahrungen, Tipps, Infos

Von Svenja in Reisen
Traumpfad München-Venedig: Erfahrungen, Tipps, Infos

Ich schaue raus auf meinen Balkon, mitten in Berlin. Ich denke zurück an die viereinhalb-wöchige Tour, die mich und meine Freundin Milena von München nach Venedig führte. Es fühlt sich unwirklich an, nun wieder in der Stadt zu sein, unter so vielen Menschen. Ich höre schreiende Kinder, hupende Autos, eine Straßenbahn, die über die Schienen donnert. Noch vor wenigen Tagen herrschte um mich herum absolute Ruhe. Demensprechend deplatziert fühle ich mich gerade - das Leben scheint hier ein bisschen zu schnell zu gehen.

Dabei konnte ich es Anfang Juli, zwei Wochen vor Abmarsch kaum glauben, dass ich die Zivilisation so weit hinter mir lassen würde, samt meines überquellenden Kleiderschranks. Den tauschte ich gegen einen 40-Liter-Rucksack. Zwei Outfits, ein Waschbeutel und eine gut gefüllte Reiseapotheke begleiteten mich ab dem 24. Juli, als wir uns morgens um 6 Uhr in den Zug nach München setzten.

Die Nervosität rumorte in unseren Bäuchen und wechselte sich mit Euphorie ab. Vor allem, weil wir insgesamt 32 Tage lang nichts außer Wandern zu tun haben würden. Total unwirklich.

Wir versprachen uns, jeden Tag die Eindrücke in einem Tagebuch festzuhalten. Zum Glück blieben wir unserem Versprechen treu, denn das macht es mir nun leichter, die Erfahrungen niederzuschreiben. In der Hoffnung, dass sie denjenigen, die wie wir die Alpen und Dolomiten überqueren wollen, ein paar hilfreiche Tipps liefern und bei der Vorbereitung einer unvergesslichen Tour helfen.

Allgemeine Informationen zum Fernwanderweg

Der Fernwanderweg von München nach Venedig wurde erstmals von Ludwig Grassler 1977 in einem Buch beschrieben. Der Weg führt vom Münchner Marienplatz zum Markusplatz in Venedig. Auf dem Weg werden die Bayrischen Voralpen, das Karwendel, die Tuxer Alpen, der Alpenhauptkamm, das Pfunderertal und die Lüsner Alm durchwandert, bevor es in die Dolomiten geht. Bei Belluno bäumen sich die Berge ein letztes Mal auf, bevor uns Flachlandetappen nach Venedig führen.

Der von Grassler beschriebene Weg dauert 28 Tage. Mittlerweile gibt es aber einige weitere Wanderführer, die zum Teil abweichende Etappen beschreiben, mal etwas länger und mal etwas kürzer dauern. Auch gibt es Wanderer, die sich den gesamten Wanderweg in einwöchige Etappen einteilen, die sie Jahr für Jahr beschreiten. Andere haben es sich zum Ziel gesetzt, die 550 Kilometer so schnell wie möglich zu bestreiten. Jede/r, wie sie oder er mag.

Wir wanderten mit dem Rother-Wanderführer, der 29 Etappen beschreibt. Zusätzlich zu den Wandertagen planten wir 3 Pausentage ein, um das Erlebte verarbeiten zu können und dem Körper eine kleine Erholung zu gönnen.

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Wie anspruchsvoll ist der Weg von München nach Venedig?

Kondition und Vorbereitung

Generell wage ich zu behaupten, dass jeder halbwegs fitte und gesunde Mensch diesen Weg begehen kann. Wir trafen unterwegs Menschen nahezu jeden Alters, Teenager ebenso wie über 80-Jährige. Allerdings sind weder die Distanzen, noch die unzähligen Höhenmeter zu unterschätzen. Anstrengend ist der Weg allemal. Auch wenn sich manche Tagesetappen mit 7 oder 15 Kilometern zunächst leicht anhören bzw. lesen, verlangen sie einem mit bis zu 1.600 Höhenmetern (nur hoch) einiges ab.

Im Vorfeld lohnt sich es, die Kondition zu trainieren und ggf. auch Kraftübungen zur Stärkung der Muskulatur zu machen. Letzteres erledigt sich aber auch nach und nach am Berg. Für die Kondition bietet es sich an, Fahrrad zu fahren oder laufen zu gehen. Ich hatte in diesem separaten Blogpost schon ein wenig mehr zu meiner sportlichen Vorbereitung geschrieben, würde allerdings noch das ein oder andere ergänzen: Geht vorher auch ein paar Touren bergauf wandern. Es macht für die Gelenke einen gewaltigen Unterschied, ob es topfeben, oder steil bergauf und bergab geht. Mit ein wenig Übung lernt man den Körper und vor allem seine Gelenke besser einzuschätzen.

Das Wandern mit dem Rucksack kann im Vorfeld auch empfehlenswert sein. Ich hatte meinen bisher nur bei der Wanderung in Schottland dabei, bei der ich warm eingepackt war. Den gleichen Rucksack dann bei 34 Grad Hitze nur mit einem dünnen Merino-Shirt zu tragen, war tatsächlich eine andere Hausnummer. Am Ende des zweiten Tages zeichneten sich Scheuerspuren an der Hüfte und den Schultern ab, die aber zum Glück schnell wieder verschwanden.

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Orientierung und Beschilderung

Dank des Rother-Wanderführers waren wir meist gut vorbereitet auf die kommenden Etappen, sowohl dank des Buchs, als auch Dank der App. Gerade im Gebirge erwies sich der Guide als unheimlich gut. Man merkt der neueren Auflage an, dass Hinweise von Wanderern aufgenommen wurden. Besonders an Stellen, an denen sich Wanderer öfter verfransen, wurde nachbearbeitet. Im Gebirge verliefen wir uns nicht ein einziges Mal und fanden unseren Wanderweg immer.

Auf der Strecke von München bis nach Bad Tölz, auf den ersten zwei Flachlandetappen, verliefen wir uns allerdings mehrfach. Dort gibt es so viele Wanderwege und unterschiedliche Beschilderungen, dass Schwierigkeiten bei der Wegfindung vorprogrammiert sind. Ich habe meine Theorien, woran unsere Schwierigkeiten lagen: Wir mussten uns noch an das Buch und die Art der Beschreibung gewöhnen und verstanden womöglich nicht immer gleich, was gemeint war. An einigen Kreuzungen, an denen wir es uns als Stadtmenschen gewünscht hätten, klare Anweisungen zu bekommen, bekamen wir nichts und mussten aus dem Bauch entscheiden. Das führte nicht immer zum Ziel.

Gleichzeitig trugen die Wegweiser für Spaziergänger ab und zu zur Verwirrung bei. Folgten wir den Wegweisern, wichen wir vom "Traumpfad" ab, sodass uns der Beschreibungstext des Buchs nicht mehr half. Über Umwege gelangten wir jedoch immer ans Ziel, aber nicht selten mit ein paar Extra-Kilometern im Gepäck. Beruhigend war aber zu hören, dass es nicht nur uns so ging.

Die Wegweiser in den Bergen hingegen waren überwiegend hilfreich, sei es in Form eines beschrifteten Schilds, als auch in Form von Markierungen und Steinmännchen. Was ich jedem raten würde: Schaut nicht auf die angegebene Gehzeit auf den Schildern. Wir hatten manchmal das Gefühl, dass die Schilder auf ein und der selben Strecke von mehrere Personen beschriftet wurden. Sagte ein Schild oben am Weg eine Gehzeit von 1,5 Stunden an, sagte das nächste Schild am unteren Ende des Weges nach 45 Minuten Gehzeit immer noch 1,5 Stunden an. Ein anderer Wegweiser kurz vor der Tutziger Hütte attestierte uns eine Rest-Gehzeit von 3,5 Stunden, doch nach 1 Stunde waren wir am Ziel. Also, nicht verrückt machen lassen von den geschätzten Gehzeiten und stattdessen ein Gefühl für die eigene Geschwindigkeit entwickeln.

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Wetter

Sind wir es in den Städten gewohnt dem Wetterbericht auf unserem Handy zu glauben, hilft das in den Bergen recht wenig. Das Wetter ist unberechenbar und ändert sich innerhalb von Minuten. Die zuverlässigste Quelle für die Wettervorhersage ist der Hüttenwirt. Auf dem Karwendelhaus zum Beispiel informiert der Hüttenwirt abendlich über das Wetter des kommenden Tags und gibt eine Prognose über die Begehbarkeit der Birkkarspitze ab. Lediglich eine App hat sich bei den Wanderern, die wir unterwegs trafen, bewährt: yr.no, die Wetter-App des norwegischen Wetterdiensts. Trotz Vorhersage gilt aber, den Himmel nicht aus den Augen zu lassen und, wenn es sich einrichten lässt, nicht gerade an den schwierigsten Stellen zu stecken, wenn das Wetter umschlägt. Leichter gesagt, als getan, ich weiß.

Sicherheit und Gefahren

Das Thema Sicherheit ist von enormer Bedeutung, erst recht, wenn man noch ganz neu in den Bergen ist. Gefahren drohen durch das Wetter (sowohl durch Unwetter, als auch durch extreme Hitze), Steinschlag (durch Tiere oder andere Wanderer), aber auch durch Kleinigkeiten wie Insektenstiche. Wir erlebten alles: Wetter, das innerhalb von keinen 2 Minuten von einem leichten Nieselregen in Starkregen mit Hagel umschwenkte, rücksichtslose Wanderer, die Geröll lostraten und nicht warnten, Kühe, die den Wanderweg versperren und nicht mit sich reden ließen...

Eine oft nicht erwähnte Gefahr sehe ich aber vor allem in der Selbstüberschätzung. Wir trafen Wanderer, die das erste Mal einen Fernwanderweg bestritten, die es sich zum Ziel gesetzt hatten, die im Buch angegebenen Zeiten stets zu unterbieten. Sie machten keine Pausen, hetzten von Etappe zu Etappe, wählten stets die riskantesten Varianten und so weiter. Einen gewissen sportlichen Ehrgeiz mitzubringen ist nicht verkehrt, denn Durchhaltevermögen und Biss braucht man auf der Tour definitiv. Wenn aber das Erlebnis an sich und die Natur derart in den Hintergrund rücken und man sich immer etwas beweisen möchte, läuft man Gefahr den eigenen Körper und die Instinkte zu überhören.

Während wir schon zwei Wochen unterwegs waren, wurde ich über Instagram von einigen Kanadiern kontaktiert. Einer ihrer Freunde wollte auch den Traumpfad machen, aber bereits an Tag 3 verlor sich seine Spur. Er war ein erfahrener Wanderer und überaus sportlich. Erst nach 3 Wochen fand man ihn. Seine Geschichte begleitete uns fortan bei der Wanderung und rief uns immer wieder in Erinnerung, aufzupassen und auf unser Bauchgefühl zu achten.

Etappen

An dieser Stelle würde ich gerne angeben, wie viele Kilometer und Stunden wir gelaufen sind, jedoch lässt sich das nur schwer sagen. Zum Einen hat jeder eine andere Geschwindigkeit und die im Buch angegeben Zeiten sind lediglich Durchschittswerte. Zum anderen haben wir lange Pausen gemacht und dabei die Zeit nicht immer genau getrackt - zum Ende der Wanderung hatten wir aber auch das richtig gut im Griff. Und: Wir haben uns auch manchmal etwas verlaufen, oder Alternativrouten gewählt, die vom Buch abwichen. An zwei Tagen haben wir die Strecken auch ganz anders aufgeteilt, sodass wir in zwei Tagen insgesamt 3 Tagesetappen zurücklegten. Auch wenn unsere Smartphones die Distanzen aufzeichnet, wichen sie bei mir und meiner Freundin oft gewaltig voneinander ab und sind somit nicht zuverlässig.

Die Frage, die uns aber immer gestellt wird, ist: "Wieviele Kilometer seid ihr täglich gelaufen?" Antwort: "Ganz unterschiedlich." Wir hatten lange, zähe Etappen, vor allem zu Beginn und am Ende mit 30+ Kilometern. Dann bewegten wir uns aber vor allem über Flachland, wenn auch bei sengender Hitze. Es gab auch Tage mit 10 Kilometern, dafür aber 1.600 Höhenmetern. Wie ihr merkt, variieren die Distanzen ganz extrem. Lang heißt nicht automatisch schlimm, hoch ist nicht zwangsläufig anstrengender als runter - man sammelt jeden Tag neue Erfahrungswerte. Ich empfand die Etappen, bei denen wir konzentriert klettern mussten spannender, abwechslungsreicher und lohnender (weil man meist mit einer Ausssicht belohnt wurde), als die zähen Flachlandetappen und steile Waldwege. Letztere habe ich mehr als einmal verteufelt, fragt meine Wandergesellschaft (Wanderweg 14 in Österreich, looking at you...). Einen groben Überblick über die Etappenlängen findet ihr neben dem Wanderführer auf Wikipedia.

Deswegen folgt hier der Überblick über alle unsere Etappen exakt so, wie wir sie gelaufen sind. Im Schnitt liefen wir 8 Stunden pro Tag, mit Ausreißern nach oben und unten. Manche Etappen waren mit 7 Stunden angegeben, die wir mit Pausen in 11 Stunden bewältigten - nichtsdestotrotz ist der Rother Wanderführer samt App unschlagbar und hilft bei der zeitlichen Orientierung sehr gut.

München - Inntal

Tag 1: München - Wolfratshausen

Tag 2: Wolfratshausen - Bad Tölz

Tag 3: Bad Tölz-Tutzinger Hütte via Brauneck

Tag 4: Tutzinger Hütte - Vorderriß

Tag 5: Vorderriß - Karwendelhaus

Tag 6: Karwendelhaus - Halleranger Alm (Wir überquerten nicht die Birkkarspitze, sondern stiegen vom Karwendelhaus ab zur Isar, da ich mir einen Abstieg über Geröll mit meiner Achillessehne nicht zutraute)

Tag 7: Pausentag auf der Halleraller Alm

Tag 8: Halleranger Alm - Voldertalhütte

Tag 9: Voldertalhütte - Lizumer Hütte

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Inntal - Pustertal

Tag 10: Lizumer Hütte - Tuxerjochhaus

Tag 11: Tuxerjochhaus - Dominikushütte

Tag 12: Dominikushütte - Gasthaus Stein

Tag 13: Gasthaus Stein - Gasthof Moarhof in Weitental (eigentlich endete die Etappe in Pfunders, aber hier gab es keine Unterkünfte mehr)

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Pustertal - Lago di Fedaia

Tag 14: Gasthof Moarhof - Kreuzwiesenalm

Tag 15: Kreuzwiesenalm - Schlüterhütte

Tag 16: Pausentag auf der Schlüterhütte

Tag 17: Schlüterhütte - Rifugio Puez

Tag 18: Rifugio Puez - Rifugio Boé

Tag 19: Rifugio Boé - Lago di Fedaia (Marmolada)

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Lago di Fedaia - Belluno

Tag 20: Lago di Fedaia - Rifugio Coldai

Tag 21: Rifugio Coldai - Bruto Carestiato

Tag 22: Bruto Carestiato - Pian de Fontana

Tag 23: Pian de Fontana- Belluno

Tag 24: Pausentag in Belluno

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Belluno - Venedig

Tag 25: Belluno - Col Visentin

Tag 26: Col Visentin - Tarzo (Casa dell'Olmo)

Tag 27: Tarzo - Ponte della Priula

Tag 28: Ponte della Priula - San Bartholomeo

Tag 29: San Bartholomeo - San Dona di Piave

Tag 30: San Dona di Piave - Lido di Jesolo

Tag 31: Lido di Jesolo - Venedig

Tag 32: Rückreise

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Rifusio Col Visentin
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Lido di Jesolo
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Endlich am Strand
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Lido di Jesolo
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Geschafft!
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Anreise

Die Anreise zum Startpunkt ist denkbar einfach: Man setze sich in den Zug nach München und dann kann es auch schon direkt losgehen. Rein theoretisch gibt es seit einem knappen halben Jahr eine Schnellverbindung von Berlin nach München, jedoch gibt es schon vier Monaten nach der Einweihung der Strecken wieder Bauarbeiten. Wir hätten also statt der geplanten 4 Stunden fast 6 gebraucht und hätten 3 Mal umsteigen müssen. Zum Glück wartete ein Regionalzug in Nürnberg auf uns, sodass wir nur einmal umsteigen mussten. Das hätte sonst unsere Tour gleich an Tag 1 sehr herausgefordert, da unsere Zeitplanung zu knapp geworden wäre.

Die beste Reisezeit

Zwischen Juli und September sind die meisten Wanderer von München nach Venedig unterwegs. Während man Anfang Juli durchaus noch Schnee erwischen kann, sinkt die Gefahr ab Mitte Juli. Wir liefen am 24. Juli los und hatten quasi keinen Schnee mehr. Auf einigen Bergspitzen konnte es aber noch ziemlich kalt werden, ein paar Gletscher waren auch noch von Eis und Schneefeldern bedeckt.

Die meisten Hütten auf der Strecke haben ab Juni geöffnet und schließen meist im Oktober wieder. Selbst, wenn man also erfahren genug ist, diese Tour auch bei schwierigen Konditionen zu meistern, wird man sich ohne Hüttenunterkunft schwer tun.

Ausrüstung

Über meine Packliste habe ich bereits einen ausführlichen Bericht geschrieben: Packliste zum Fernwandern. Zusätzlich zum darin erwähnten Rucksack, dem Osprey Farpoint 40 samt Inhalt, hatte ich dabei:

  • leichte Wanderstöcke (von einer Freundin ausgeliehen, man muss ja nicht immer gleich kaufen)
  • Wanderschuhe von The North Face "Back to Berkeley"

Auf ein Zelt habe ich verzichtet, da wir uns für eine Hüttentour entschieden. Das bedeutet, weder ein Zelt, noch einen warmen Schlafsack, eine Isomatte oder einen Kocher samt Proviant zu benötigen. Das spart Gewicht.

Mit meinen Wanderstiefeln war ich insgesamt zufrieden, da sie stabil genug sind, ein Umknicken zu verhindern, gleichzeitig aber flexibel genug waren, um mir beim Auf- und Abstieg keine Druckstellen zu bereiten. Allerdings löste sich zum Ende der Tour an beiden Fersen die Sohle. Zum Glück hielt aber alles bis zum Schluss. Einen hervorragenden Überblick über das passende Schuhwerk für den Traumpfad findet ihr auf München-Venedig.net.

Unterkünfte

Auf dem Traumpfad hat man zwei Möglichkeiten: Entweder man zeltet, oder man übernachtet in einer Hütte. Ein Zelt hat den Vorteil, dass man immer in der Natur und allein ist, das aber auch bei Wind und Wetter. Man benötigt wie oben beschrieben einen warmen Schlafsack, eine Isomatte, einen Kocher und Verpflegung.

Eine Hüttentour spart einem eine Menge Gewicht. Noch dazu empfinden es manche als schön, abends auf der Hütte Leute kennenzulernen und sich über den Tag auszutauschen. Gerade für Alleinreisende kann es schön sein, ab und zu ein paar Menschen um sich herum zu haben.

Im Wander-Führer sind sämtliche Hütten, die sich auf der jeweiligen Etappe anbieten, mit Telefonnummern vermerkt. Gerade aufgrund des kurzen Zeitraums, in dem der Traumpfad bewandert wird, kann es gelegentlich voll auf den Hütten werden. Eine Reservierung zumindest ein paar Tage im Voraus ist dringend zu empfehlen. Telefonisch sind die Hütten am besten gegen 15 Uhr zu erreichen, denn dann sind eventuelle Tagesgäste wieder auf dem Rückweg, das Mittagessen ist durch und noch kommen nicht allzu viele neue Gäste an.

In den Hütten selbst sind die Schlafplätze sehr unterschiedlich: Vom Matratzenlager (7 Personen auf 5 Matratzen oder auch knapp 30 Personen in einem Raum) über Notlager (die man durch durch ein etwa 1 Meter hohes Loch in der Wand erreicht), gemütliche 10-er-Zimmer bis zu Zweierzimmern hatten wir alles. Und irgendwie ging alles mehr oder minder klar. Lediglich eine Unterkunft wird uns als feuchtes, miefiges Kellerloch in Erinnerung bleiben - weil wir in einem feuchten, miefigen Kellerloch schliefen.

Ähnlich ambivalent ist auch die Duschsituationen: Es gab Duschen, bei denen man Gefahr lief schmutziger herauszukommen, als man hinein gegangen ist (Flipflops sind unverzichtbar). Es gab welche, die einem 4 Minuten Warmwasser versprachen, um einen bereits nach 2 Minuten eiskalt abzubrausen (ja, wir haben es getimt). Und es gab Luxusduschen, die blitzblank waren und satte 5 Minuten warmes Wasser gaben. Die Waschräume sind für gewöhnlich recht groß, sodass sich mindestens 3-5 Personen gleichzeitig die Zähne putzen können. Gerne sind die Waschräume mit allerlei Verbotsschildern gespickt, die einem das Wäsche- und Haarewaschen untersagen.

Reservierungen und Anzahlungen

Immer mehr Hütten sind online zu buchen, sei es über ein Kontaktformular, per Mail, oder ein direktes Buchungssystem. Sollte man auf einer Bergspitze also etwas Netz haben, lohnt es sich die Webseite anzuschauen und ggf. gleich eine Buchungsanfrage abzuschicken. Gerade die Hütten in Italien mögen Anzahlungen, die per Online-Banking durchgeführt werden müssen. Deshalb lohnt es sich vor der Tour bei der eigenen Bank kurz nachzufragen, ob Überweisungen nur für Deutschland, oder auch für das europäische Ausland freigeschaltet sind. Manchmal machen die Hütten eine Ausnahme, wenn die Überweisung aus welchen Gründen auch immer nicht durchgehen sollte, aber man möchte es ja ungern darauf ankommen lassen.

Verpflegung

Für die ersten Tage hatten wir einige Snacks wie Nüsse, Trockenfrüchte und Müsli-/Energieriegel dabei. Sie haben relativ lang gehalten, da wir immer ausgiebig frühstückten und mittags meist mit einem kleinen Snack hinkamen. Aber der Hunger abends ist unglaublich: Ihr werdet es kaum für möglich halten, wie viel man essen kann. Plötzlich passt abends eine Vorspeise, ein Salat, ein Hauptgang und Nachspeise rein - und ich spreche von Kohlenhydraten pur (mal abgesehen vom Salat). Carbs werden zum besten Freund!

Das Essen auf den Hütten ist insgesamt recht einfach gehalten: Nudeln, Brot, Eintöpfe. Die Küche ist deftig und ziemlich fleischlastig. Als Vegetarier kann es sich lohnen, den Hüttenwirten frühzeitig Bescheid zu geben, was mir ehrlich gesagt ziemlich widerstrebt - noch dazu hab ich es kaum Bedacht. In Berlin ist man ja gewohnt, alles überall zu bekommen. Es passierte mehr als einmal, dass es keine fleischlose Alternative gab und ich eine Kartoffel mit ein paar Stücken Käse zum Abendbrot bekam. Als Veganer oder Glutenintoleranter ist man spätestens bis Italien verhungert. Dann erst eilt Polenta zur Hilfe.

Zum Frühstück bekommt man meist einen Brötchenkorb oder ein paar Scheiben Brot, einen Teller mit Wurst und Käse, ein Päckchen Nutella/Marmelade/Honig und einen Kaffee/Tee. Meine Begleitung musste also immer meine Wurst Essen, ich bekam ihren Käse. Glück für uns beide war es, wenn es ein Frühstücksbuffet gab - dann konnten wir beide essen, was wir wollten.

Generell wird das Essen einfacher, je schwieriger die Versorgung der Hütte ist. Ist ja auch logisch. In den Dolomiten, wie zum Beispiel auf der Puezhütte oder Pisciadùhütte, erfolgt die Anlieferung von Lebensmitteln und Trinkwasser ausschließlich per Hubschrauber. Dementsprechend teuer ist das Essen und geschmacklich nicht der Oberreißer. Aber wer Hunger hat, isst ohnehin alles. Egal, ob man vom Brötchen eine Staublunge bekommt.

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Wasserversorgung

Was einfach zu vergessen ist, ist die Wasserversorgung. So lange man noch in städtischen und ländlichen Gegenden unterwegs ist, ist die Wasserversorgung dank Trinkwasserbrunnen relativ einfach. Wenn die Etappen an Almen vorbeiführen, kann man seine Trinkblase oder Flasche für gewöhnlich gut auffüllen. Allerdings gibt es auch Etappen, bei denen es keine Trinkwasserversorgung gibt. Darauf weist der Wanderführer stets ausdrücklich hin. Gerade in den Sommermonaten, wenn das Thermometer über 30 Grad klettert, muss man genug trinken.

In den Dolomiten gab es Hütten, die kein Leitungswasser hatten. Hier gab es also weder Duschen, noch Trinkwasser aus der Leitung. Stattdessen muss man sich Trinkwasser beim Hüttenwirt besorgen: 0,5 Liter für 4 Euro. Das tut weh. Wenn man es einrichten kann, sollte man seinen Wasservorrat am Vortag etwas großzügiger auffüllen, allerdings gilt auch zu bedenken, dass man somit zusätzliches Gewicht mit sich herumträgt. Eine optimale Lösung gibt es nicht. Man muss es manchmal nehmen, wie es kommt.

Highlights

Natürlich war die Wanderung von zahlreichen Highlights gespickt. Die Ruhe, die Aussicht, Fauna, Flora und einfach mal einen freien Kopf zu haben. Aber ein paar Ereignisse und Erlebnisse hallen noch länger nach.

Die Tierwelt

Ganz vorne weg bei meinen Highlight steht die Etappe von Bad Tölz zur Tutzinger Hütte. Die Etappe fing holprig an: wir kamen viel später los, als wir wollten, hatten zu viel gefrühstückt und waren etwas träge drauf. Der Tag wurde extrem heiß und wir quälten uns das Brauneck hoch. Der Abschnitt war zäh, landschaftlich zwar ok, aber eben nicht lohnend genug für die Tortur nach oben. Auf der Bergstation angekommen rümpften die Tagestouristen, die mit der Gondel hochkamen, wegen uns die Nase. Wir waren ihnen wohl zu nass geschwitzt. Auch die weitere Tour vorbei an den Axelköpfen war nicht die Beste: Ich rutschte blöd aus und landete mit dem Hintern zuerst auf einem spitzen Stein. Außerdem müssten wir die Hütte informieren, dass wir bedeutend später ankommen würden, als geplant und wir es somit auch nicht mehr zum Abendessen schaffen würden. Netterweise stellte uns der Hüttenwirt eine Jausenplatte beiseite, sodass wir nicht mit leerem Magen schlafen gehen mussten. Der Tag lief alles in allem also nur mäßig. Uns saß die zeit dermaßen im Nacken, dass wir schon befürchteten, nicht mehr bei Tageslicht anzukommen. Doch gerade weil wir so spät unterwegs waren und die Dämmerung bereits anbrach, sprangen uns tatsächlich mehrere Steinböcke über den Weg. Sie standen keine 3 Meter von uns weg. Auch beim weiteren Abstieg zur Tutzinger Hütte begegneten uns noch ein paar. Kein anderer Wanderer hatte an diesem Tag welche gesehen. Wir hatten Glück, weil wir so spät unterwegs waren.

Ähnlich war es auch bei der ersten Sichtung von Murmeltieren. Zwar hört man die putzigen Tierchen immer wieder in den Bergen, aber bis wir das erste Murmeltier sahen, verging doch etwas Zeit. Aber die erste Sichtung hatten wir, als die Energie wieder ein wenig im Keller war - das nenne ich mal Timing!

Unter Umständen habe ich auf dem Traumpfad eine Obsession für Kühe entwickelt. Aber diese Tiere sind so wunderschön - auch wenn sie sich zielsicher immer auf unseren Wanderweg stellten und Tretminen in der Größe eine Couchtisches hinterließen.

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Hütten

Wer eine Weile unterwegs ist und jeden Tag unzählige Liter ausschwitzt, fühlt sich  langsam aber sicher verwildert. Man riecht sich selbst zwar irgendwann nicht mehr und kann die klebrige Haut und die schrumpeligen Füße irgendwann ignorieren. Eine warme Dusche am Ende eines Wandertages avanciert dennoch zu einem Highlight. Wenn dann die Hüttenwirtin einen mit den Worten begrüßt "Wir haben einen kostenlosen Waschservice für eure Kleidung", dann schießen einem schon kurz die Freudentränen in die Augen. So geschehen auf der Dominikushütte. Diese Hütte ist ALLES: Es gibt kleine Schlafräume, warme und moderne Duschen, besagten Waschservice und Essen zum Niederknien. Und als Kirschchen obendrauf bekommt man eine Aussicht auf den Schlegeisspeicher, der förmlich "Instagram" schreit.

Am Tag 8 unserer Wanderung stand uns ein längerer Abstieg bevor nach Hall. Es war wieder eine unsägliche Hitze und je weiter wir ins Tal kamen, desto heißer wurde es. Entlang einer vielbefahrenen Straße in der Stadt kämpften wir uns weiter vor und schmolzen vor uns hin. Den Aufstieg zur Glungezer Hütte schafften wir nicht mehr, sowohl zeitlich, als auch kräftemäßig. Also bbeschlossen wir, die Alternativroute zu nehmen, auf die Voldertalhütte. Diese stellte sich als riesen Glücksgriff heraus: Es gab warme Duschen, ohne dass man eine Duschmarke lösen musste. Noch dazu konnten wir unsere Shirts ordentlich in der Handwäsche durchwaschen, denn mit warmen Wasser ist die Erfolgsquote, den Geruch loszuwerden, deutlich höher, als mit kaltem Wasser. Das Allerbeste jedoch war, dass wir das riesige Matratzenlager samt Balkon ganz für uns alleine hatten - alle anderen Wanderer weilten auf der Glungezer Hütte. Das bedeutete für uns: Ruhe, sich auf der ganzen Etage ausbreiten zu können und in bisschen Privatsphäre zu haben. Herrlich!

Einen besonderen Platz nimmt die Obere Engbergalm bei mir ein, bei der wir eine Mittagspause einlegten. So hat Heidi gewohnt, davon bin ich überzeugt. Hier bekommt man eine richtig gute Vorstellung davon, wie das Leben auf einer Alm abläuft. In der Küche sind die Wände ganz schwarz vom Ruß den Ofens. Neben der Hütte hört man die Schweine und Kühe, das Wasser kommt aus einer Quelle und das Klo befindet sich außerhalb des Wohnhauses. Wir bekamen Wasser mit Holunderblütensirup, dazu hausgemachten Ziegenfrischkäse mit Tomaten, Gurken und Schüttelbrot. Der mit Abstand beste Snack, den man sich vorstellen kann!

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Lowlights

Unangefochten, komplett ohne Konkurrenz, ist die Etappe 21 von Bruto Carestiato zum Pian de Fontana - also mitten in den Belluneser Dolomiten. Schon am Vortag liefen wir 1,5 Stunden durch Starkregen, sodass wir kaum noch etwas sehen konnten. Dementsprechend nass waren unsere Schuhe und Klamotten auch zu Beginn des Folgetages. Wir zogen sie dennoch an und liefen los, was soll man auch sonst tun?

Angesagt war durchwachsenes Wetter mit kleinen Schauern gegen Mittag. In Anbetracht des Textes im Buch, dass wir eine "normale" Strecke vor uns hatten und uns lediglich am Ende eine steile Wiese erwarten sollte, gingen wir los, ohne uns Sorgen zu machen. Was uns das Buch jedoch verschwieg, war, wie extrem steil und angsteinflößend der Grat "Cime de Zita" bei Starkregen sein. Nichts nur, dass wir die letzten Höhenmeter des Tages bei Nieselregen begannen. Dieser verwandelte sich mit zunehmender Höhe in Starkregen. Auf unserem Wanderweg kamen uns Sturzbäche entgegen, die uns direkt in die Schuhe liefen. Die Sicht wurde immer schlechter, bis wir schließlich direkt am Grat ankamen. Dort wiederum verwandelte sich der Regen in Hagel. Wir, in Shorts und Regenjacke, mussten weitergehen, uns blieb nichts anderes übrig. Angespannt, hoch konzentriert, aber nass bis auf die Unterwäsche und tatsächlich mit etwas Angst im Magen - das dürfte eine denkbar schlechte Kombination für eine Wanderung sein.

Oben angekommen, begannen wir gleich wieder den Abstieg über die "steile Wiese". Im Vergleich zu den Autoren des Wanderführers waren die Italiener eher der Meinung, dass es keine steile Wiese, sondern vielmehr ein gefährlicher Steilhang ist und stellten mehrere Warnschilder auf. Bei mir war die Stimmung auf dem Tiefstpunkt angekommen und ich wollte einfach nur noch die Hütte erreichen. Was mich bis runter bracht, war der Gedanke an einen Schnaps.

So nass war ich noch nie in meinem Leben. Ich hab gefroren, geflucht, und mit den Dolomiten gebrochen. Wir trennen uns vorerst nicht im Guten: zu viel Geröll, unberechenbares Wetter und zu viele Menschen. Dolomiten, vielleicht klappt es beim nächsten Mal besser, was meint ihr?

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Nach unserer Nahtoderfahrung kurz vor Pian de Fontana klarten die Wolken auf

Dicht auf Platz 2 meiner Lowlights landet meine Achillessehne. Die beschwerte sich ab Tag 4 gewaltig: Sie schwoll an, tat höllisch weh und wollte sich nicht einmal mit Voltaren ruhig stellen lassen. Die Hitze tat ihr Übriges, sodass ich jeden Tag aufs Neue mir geschwollenen Füßen in die Wanderschuhe zwängte. Mit Ibuprofen half ich mir über die Runden, sodass es nach schlimmsten Schmerzen am Morgen im Verlauf des weiteren Tages besser wurde. Mich ärgerte es unheimlich, dass mein Körper nicht so mitspielte, wie ich es mir erwünscht hatte. Ich hatte mit schmerzen Knien und Rückenschmerzen gerechnet, aber nicht im Geringsten mit Problemen mit der Achillessehne. 10 Tage lang nahm ich Ibuprofen, bis ich meiner Schwester beim Pausentag auf der Schlüterhütte mein Leid klagte: Sie schlug die Hände über dem Kopf zusammen und klärte mich darüber auf, wie schlecht die Kombination aus Ibuprofen und starker körperlicher Anstrengung ist. Ich hatte ja keine Ahnung. Sie sprach von einer belastungsindizierten Hyponatriämie - ok Google, was ist eine "belastungsindizierten Hyponatriämie"? Bevor ich hier gefährliches, medizinisches Halbwissen verbreite: Ich setzte Ibuprofen ab und sendete ein paar Stoßgebete nach oben, dass ich den Rest der Tour irgendwie schaffen würde. Abends massierte ich meine Füße und die schmerzende Sehne mit einem Schmerzgel, schlief mit hochgelegten Füßen und hoffte auf das Beste. Morgens wachte ich auf und... alles war gut. Die Schmerzen waren weg, die Schwellung war weg. Spontanheilung! Irre! Was als Lowlight anfing, mauserte sich zum Highlight und zeigte mir, dass der Körper ganz schön viel in den Griff kriegen kann.

Auf Platz 3 landet mein erster Badeversuch in Lido die Jesolo. Schon mehrere Tage lang freute ich mich einfach nur darauf ins Meer zu springen. Die Freude währte nur kurz, da ich mir beim Rausgehen aus dem Meer, einen Zeh aufschnitt... an einem abgebrochenen Acrylnagel. Bäh!

Die besten Unterkünfte für einen Pausentag

Viele Hütten haben ihre jeweiligen Vorzüge. Dennoch blieben mir einige Unterkünfte derart positiv in Erinnerung, dass ich sie nachfolgenden Wanderern sehr gern ans Herz legen möchte für einen zusätzlichen Tag.

Halleranger Alm

Der Hüttenwirt der Halleranger Alm ist eine Marke. Derber Humor, überaus gesellig und herzlich. Nennt er seine Kühe in den Sommermonaten Berta, Erna und so weiter, heißen sie in den Wintermonaten Gulasch und Steak, wie er uns mitteilte. Das Essen, das auf der Hütte serviert wird, ist irre lecker und macht satt. Die Portionen sind großzügig bemessen. Hat man den Aufstieg auf die Alm geschafft, wird man mit Ruhe und einer bilderbuchmäßigen Aussicht belohnt. Auf der Terrasse kann man sich den Sonnenuntergang anschauen. Entweder von den Bänken aus, oder von den gemütlichen Liegestühlen. Die kleine Kapelle rundet die Aussicht ab.

Hier gibt es die Möglichkeit, statt im Matratzenlager auch in einem Privatzimmer zu schlafen. Dann hört man nur das Gebimmel der Kuhglocken und kein Schnarchen.

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Dominikushütte

Bei den Highlights habe ich schon von der Dominikushütte berichtet, aber hier muss ich sie noch einmal unterbringen. Wer einfach mal entspannen möchte, leckere Hausmannskost genießen und sich einen Tag statt mit einer Wandertour mit einem kleinen Spaziergang um den Schlegeisspeicher vertreiben möchte, ist hier goldrichtig. In der Dominikushütte packt die ganze Familie an. Allein der herzliche Umgang, den alle miteinander haben, dass sich das Wirtspaar auch mal zu einem gesellt zum Schnack, machen diese Hütte zu etwas Besonderem. Außerdem schläft man in keinem großen Lager, sondern teilt sich nur mit einer Handvoll Leute ein Zimmer. Eine 5-minütige (!!!) warme Dusche bekommt man für 2 Euro, das ist ein unschlagbarer Tiefstpreis und man fühlt sich anschließend fast wie nach einer Spabehandlung.

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Gasthof Stein

Einmal in einem über 100 Jahre alten Gasthaus schlafen, mit knarzenden Böden, uralten Waschbecken und einem ganz besonderen Charme: Das geht im Gasthof Stein. Mich beschleicht das Gefühl, dass der Ort "Stein" nach dem Gasthof benannt ist und nicht umgekehrt. Etwas anderes außer dem Gasthof gibt es dort nämlich nicht. Richtige Einöde, mitten in Südtirol. Stattdessen gibt es Entschleunigung, nur wenig Handynetz und Ruhe. Die Frau des Hauses ist die Schwiegertochter der Wirtsfamilie: Sie hält alles zusammen, gibt Tipps für die Erkundung der Nachbarschaft und improvisiert gern mit der Küche, wenn man lieber fleischlos isst. Uns schickte sie zum Beispiel ins Nachbardorf, in dem ein Dorffest stattfand, damit wir etwas Abwechslung vom Wandern bekommen. Wir haben uns über den kleinen Spaziergang gefreut und einfach entlang von Feldern und anderen Gasthäusern herumzustromern.

Kreuzwiesenalm

Ok, der Aufstieg zur Kreuzwiesenalm kann von meiner Seite nicht schön geredet werden. Es geht über Stunden hinweg nur steil bergauf. Nicht ein bisschen steil, sondern steil steil. Aber die letzte Stunde vor der Kreuzwiesenalm ist wie aus einem Heimatfilm oder aus Sound of Music: Idylle pur, alles ist satt grün und einfach nur wunderschön. Die Alm liegt also wirklich mitten im Grünen, rundherum grasen Kühe und Pferde stehen auf Koppeln.

Wir schliefen auf einem ausgebauten Heuboden, der immer noch nach Heu roch. Auch, wenn man sich das Lager mit gut 25 weiteren Menschen teilt, hat man genug Platz und kommt sich nicht allzu sehr in die Quere. Wir erlebten auf der Kreuzwiesenalm ein Gewitter, das man aus dem Fenster der Schlaflagers beobachten konnte. So gut hab ich selten geschlafen.

Die Gaststube ist geräumig und ist eher ein schönes Restaurant, denn einer typischen Gaststube. Man merkt, dass auch öfter Tagesgäste kommen, um sich was Leckeres zu gönnen. Man sitzt gemütlich beisammen und kann Käse aus eigener Herstellung essen.

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Schlüterhütte

Auf der Schlüterhütte legten wir einen Pausentag ein und hätten glücklicher kaum sein können. Es gab rundherum grüne Wiesen, kleine Berge zu besteigen, eine Terrasse mit Liegestühlen und ellenlange Wäscheleinen, denn ein Pausentag ist wie gemacht zum Wäsche waschen. Noch dazu gab es auf der Schlüterhütte genügend Steckdosenplätze für alle und geräumige Zimmer. Die Duschen und das Bad sind sauber. Die Hütte an sich ist riesig und erstreckt sich über drei Stockwerke. Ich fand, dass hier ein bisschen Klassenfahrtgefühl aufkam. Ein Gefühl von Gemeinschaft, überall sprangen Leute herum, ohne dass es hektisch oder unruhig wirkte.

Der Wirt ist einer der nettesten, die wir auf der Tour hatten - er strahlt, begrüßt freundlich, und das trotz größtem Gewusel. Das Abendessen ist super organisiert und man bekommt einen festen Tisch zugeteilt. Das erspart unnötiges Gesuche, vor allem, wenn die Hütte vollkommen ausgebucht ist. Abends kann man sowohl in der Gaststube, als auch draußen herrlich versacken bei Wein oder auch ein paar hausgemachten Schnäpsen.

Tarzo: Casa Dell'Olmo

Das Casa Dell'Olmo ist keine offizielle Unterkunft des Wanderführers. Wir hatten uns eine Unterkunft näher am See gewünscht und übernachteten daher nicht im Hotel Carlo mitten in Tarzo. Wir hatten ja keine Ahnung, was für einen Glücksgriff wir hier gelandet hatten: Wir hatten ein kleines Häuschen auf einem malerischen kleinen Hof ganz für uns allein. Eine große Küche mit Kochmöglichkeit, Kühlschrank, einem Schlafzimmer und einem modernen Bad - wir waren im Himmel. Die Besitzerin begrüßte uns freundlich und hatte eine Flasche eiskaltes Zitronenwasser für uns vorbereitet. Dazu lachten uns zwei Stücke Kuchen und frisches Obst aus ihrem Garten an. Wer nach einem langen Wandertag bei Hitze in ein kühles Haus kommt, eiskaltes Wasser und frische Feigen bekommt, ist einfach nur glücklich. Später am Tag kam sie noch einmal zu uns und brachte uns Käse, Tomaten und Gurken (ebenfalls aus ihrem Garten) zum Snacken.

Wir fühlten uns einfach nur selig und ich wäre nicht überrascht, wenn wir irgendwann noch einmal für einen Urlaub zurückkehren.

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Mein Fazit

Diese Wanderung hat mich verändert: Ich merke es vor allem, seit ich nach Berlin zurückgekehrt bin. Wie schnelllebig hier alles ist und mich stresst, wie sehr mich die Wanderung entschleunigt hat. Ich versuche mir die innere Ruhe noch ein wenig zu bewahren, gebe aber zu, dass es schwer ist. Auch der toxische Effekt meines Handys wird mir jetzt erst richtig bewusst. Auch mein Nutzungsverhalten von Social-Media muss ich noch einmal überdenken...

Abgesehen davon bin ich stolz auf das, was mein Körper in der Lage ist zu leisten. Egal wie hoch der Berg war, egal wie steil die Wege waren, meine Beine haben mich überall hochgetragen. Das ist schon ein irres Gefühl. Noch dazu merkt man auch, mit wie wenig Zeug man auskommt und wie genügsam man wird. Frische Luft, nette Menschen, Natur und Bewegung reichen vollkommen aus.

Die Alpen werde ich mit Sicherheit wieder bewandern und bei den nächsten Reisen wird das Wandern einen beträchtlichen Platz einnehmen. Die nächsten Ziele werden also auf Wandertauglichkeit ausgesucht, so viel steht fest. Ob ich angefixt bin, weiter zu wandern? Aber sowas von!

Alle Bilder sind von Svenja Goebel und Milena Tannhäuser.

Themen: Fernwanderung, München Venedig, Wandern