Es gibt Tage, an denen man sich nicht wie das energiegeladene Ich fühlt, das man eigentlich ist. Stattdessen macht sich manchmal ein Gefühl von Machtlosigkeit und Bedeutungslosigkeit breit, vor allem, wenn man sich über den aktuellen Zustand unseres Planeten informiert. Die Zukunft sieht laut aktueller Prognosen alles andere als rosig aus. In Anbetracht mancher Aussagen von Politikern ist es leicht frustriert das Handtuch zu werfen und zu glauben, dass man selbst nichts an der Situation ändern kann.

Auch wenn wir mit politischer Unterstützung bedeutend mehr Durchschlagskraft haben eine nachhaltigere, fairere und gesündere Welt zu schaffen, haben wir als Konsumenten dennoch viel Macht.

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Denn in Lethargie zu verfallen und zu sagen: "So lange die Politik nichts macht, ändere ich mal gar nichts", macht die Sache nicht besser. Denn viele kleine Schritte können ebenso einen Wandel herbeiführen, wenn auch nur einen langsamen. Wir alle haben die Sprüche auf Facebook und Instagram gelesen, von "It's only a straw" zu "It's only a plastic bottle" - das Ausmaß der Verschmutzung der Weltmeere ist dennoch verheerend, auch wenn jeder von uns vielleicht nur einen Strohhalm benutzt hat.

Ein recht allgemeingültiger Leitsatz, der wie eine Art Kompass funktionieren kann heißt: Refuse, Reduce, Reuse, Repurpose, Recycle. Übersetzt heißt das: Plastik vermeiden, den Gebrauch vermindern, Plastik mehrfach benutzen oder für einen anderen Zweck nochmals verwenden und am Ende den Plastikmüll recyceln.

Damit sich das Unterfangen "Weltrettung" leichter zu bewältigen anfühlt, gibt es ein paar einfache und konkrete Schritte, wie du deinen Alltag Schritt für Schritt ein bisschen umweltbewusster gestalten kannst.

Einkaufsbeutel

Pack einfach in jeden deiner Rucksäcke und Handtaschen einen Jutebeutel oder eine kompakte Einkaufstasche. So bist du immer vorbereitet für einen spontanen Einkauf. Denn vor allem spontane Einkäufe, die größer als gedacht ausfallen, sorgen dafür, dass wir an der Kasse wieder eine Tüte kaufen. Jährlich werden 78 Millionen Tonnen Plastikverpackungen verbraucht, wovon 32 Prozent unkontrolliert in die Umwelt gelangen, zum Beispiel in die Meere.

Wichtig: Direkt nach dem Einkauf den Beutel wieder zurückpacken, sonst geht das Konzept "Beutel immer dabei" nicht mehr auf.

Einkauf auf dem Markt

Wer versucht in einem Supermarkt plastikfrei einzukaufen, stößt an seine Grenzen. Denn oft steht man vor der Wahl: Herkömmliches Obst und Gemüse, das unverpackt angeboten wird, oder in Plastik eingeschweißtes Bio-Gut. Eine echte Alternative sind Märkte, auf denen man seine Einkäufe nahezu plastikfrei erledigen kann. Das hat den Vorteil, dass du nicht nur bio, sondern auch regional und saisonal einkaufst. Besser geht es kaum. Hast du keinen Markt in der Nähe, gibt es zum Glück auch Supermärkte ohne Verpackungsmüll, wie Original Unverpackt oder Der Sache Wegen. Hier findest du eine ausführliche Liste zum müllfreien Einkauf in Berlin.

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Öffis nutzen

Anstatt jeden Morgen ins Auto zu steigen und brav im Großstadtverkehr zu stehen, warum nicht einfach auf die Öffis umsteigen? Klar, man ärgert sich darüber, wenn es mal nicht so glatt läuft mit den Öffis oder dem Fernverkehr. Aber Stau, Straßensperrungen oder Unfälle passieren auch, wenn du mit dem Auto fährst.

Wann betrifft einen das alles nicht? Wenn man das Rad nimmt. Allerdings ist das auch eine Frage der Distanz. Wer nämlich die Strecke der Tour de France bis zum Arbeitsplatz zurücklegen muss, hat mit Sicherheit keine Lust jeden Tag zu radeln.

Auf Ökostrom wechseln

Ein ganz einfacher Schritt, mit dem du nachhaltig etwas gegen die globale Erwärmung tun kannst: steig auf Ökostrom um. Und zwar echten Ökostrom, und nicht den, der nur eine kleine Sparte eines großen Konzerns darstellt. Denn das war die größte Überraschung für mich, wieviele vermeintliche Ökostrom-Anbieter lediglich ein Spartenprodukt eines herkömmlichen Stromerzeugers sind. Eine Übersicht über echte Ökostrom-Anbieter, die noch dazu regional sind, findest du zum Beispiel bei Enyway.

Kaffeebecher to go

Man sollte meinen, es hätte sich mittlerweile herumgesprochen, trotzdem haben Kaffee-to-go-Becher immer noch Hochkonjunktur. Und das, obwohl immer mehr Cafés Mehrwegbecher anbieten und dir deinen mitgebrachten Becher problemlos auffüllen. Also: Mehrwegbecher einpacken. Die gibt es auch in faltbar, sodass sie in jede Tasche passen.

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Keine Strohhalme

Bitte bei deiner Bestellung von Getränke ausdrücklich darum, keinen Strohhalm zu bekommen. Bei vielen ist es schlichtweg ein Automatismus, direkt nach dem Befüllen des Glases oder Bechers einen Strohhalm hineinzustecken. Mittlerweile gibt es fast überall wiederverwertbare und klappbare Strohhalme, die man immer dabei haben kann. Auch wenn Papier vielleicht nicht ganz so schlimm ist wie Plastik, ist auch ein Papierstrohhalm ein Einweg-Artikel.

Naturkosmetik ohne Verpackung

Ob Online-Shops, bei DM oder bei Lush, verpackungsfreie Kosmetik ist auf dem Vormarsch. Noch nie ist es so einfach gewesen, bei der Kosmetik keinen Müll mehr zu produzieren. Zugegeben, wer bestellt, produziert dennoch etwas Müll, aber nicht jeder hat einen Lush Naked-Store in der Nähe. Die einzige Alternative wäre dann, Pflege selbst herzustellen.

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Upcycling und reparieren

Ist etwas kaputt, wird es meistens weggeworfen. Während unsere Oma früher noch Socken stopfte, werden Socken mit Loch heute eher weggeworfen. Sei es die Handtasche, die Jacke, die elektrische Zahnbürste oder die Strumpfhose, viel zu selten reparieren wir die Dinge, die kaputt gehen. Dabei kann man so viel Geld sparen und Müll vermeiden. Marken wie Patagonia und Lowa haben zum Beispiel Reparaturservices für ihre Produkte, die man unbedingt in Anspruch nehmen sollte.

Und mag man das eine T-Shirt im Kleiderschrank nicht mehr, lässt sich daraus vielleicht noch etwas anderes machen, wie ein Schal oder ein Kissenbezug. Auch Patchwork-Decken sind eine tolle Verwendung von massenhaft alten Shirts!

Second Hand

Wusstest du, dass wir im Schnitt jedes neue Kleidungsstück nur zwei Mal tragen? Wer also bei Second Hand nur an durchgerockte Klamotten denkt, irrt. Denn der Großteil der Kleidungsstücke dürfte nahezu ungetragen und fast wie neu sein. Dazu muss man aber nicht mehr jeden Flohmarkt oder Second Hand Laden mühsam selbst durchforsten, denn wozu sonst gibt es Apps wie Ebay Kleinanzeigen und Kleiderkreisel?

Nachhaltige Mode kaufen

Der Konsum ist zweifelsohne tief in uns verwurzelt und so ganz ohne hier und da mal etwas zu kaufen, geht es wahrscheinlich nicht. Wenn das Shoppen mal sein muss und du mit Second Hand nichts anfangen kannst, schlag doch lieber bei einem kleinen, nachhaltigen Label zu. Da unterstützt du ein neu gegründetes Unternehmen und leistest einen indirekten Beitrag zum Umweltschutz. Wie auch sonst gilt aber: nicht übertreiben. Praktischerweise haben wir auch eine Liste mit nachhaltigen Labels und Shops in Berlin.

Google gegen Ecosia tauschen

Tausch Google als deine Standard-Suche gegen Ecosia aus. Nahezu der gesamte Gewinn von Ecosia fließt in Wiederaufforstungsprojekte. Für den Betrieb seiner Server benutzt Ecosia ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien. Auch nicht ganz unwichtig: Ecosia speichert keine Suchverläufe oder andere Kundendaten, um sie an Marketingsunternehmen zu verkaufen, wie das Google zum Beispiel macht. Ein kleines Aber gibt es dennoch: Die Suchergebnisse, die von Bing geliefert werden, sind nicht immer perfekt, sodass man gelegentlich vielleicht doch noch auf Google zurückgreift. Aber der Großteil der Suchanfragen liefert genau das, was man sucht.

Weniger oder gar nicht fliegen

Eine sehr sinnvolle Ergänzung, die mich über Facebook erreichte (danke Moritz!), ist, weniger oder gar nicht mehr zu fliegen. Da es nicht zu meinem Alltag gehört zu fliegen, hatte ich diesen offensichtlichen Punkt nicht auf dem Schirm. Aber in Anbetracht dessen, wie angesagt ein Jetset-Leben immer noch ist, zu dem häufiges Fliegen dazugehört, muss dieser Punkt einfach noch in die Liste.

Zum einen können wir unheimlich viele Ziele bequem mit dem Zug erreichen, zumindest innerhalb Europas. Das betrifft vor allem Geschäftsreisende, die an einem Tag oft mehrere Flüge hinter sich bringen und stattdessen auch auf den Zug ausweichen könnten. In Schweden setzt sich daher gerade das Wort "Flygskam", frei übersetzt "Flugscham" durch. Geschäftsreisende beginnen, Termine anders zu legen, um die Anreise per Zug zu ermöglichen, oder verlagern den Termin direkt in einem Video-Call.

Nehmen wir die Strecke Berlin-Köln hin und zurück: mit dem ICE liegt der CO2 Ausstoß bei 27,6kg pro Person, mit dem Flugzeug bei 273kg. Eigentlich eine ganz einfache Rechnung, oder?

Photo by Thomas Gamstaetter on Unsplash