48 Stunden in Amsterdam

Svenja - Donnerstag, 9. Juni 2016

Wochenendtrips sind der perfekte Kurzurlaub, wenn einem mal wieder die Decke auf den Kopf fällt. Dabei bieten sich natürlich Ziele an, bei denen die Anreise nicht so lang dauert. Von Berlin aus wären das zum Beispiel Kopenhagen, Stockholm, Oslo, London, Istanbul, Wien oder Helsinki. Oder eben auch Amsterdam. Praktisch ist es, wenn man viel zu Fuß erreichen kann in der Wochenendstadt. In Amsterdam muss man schon etwas stärker zu Fuß sein, denn die Distanzen sehen oft auf der Karte kleiner aus als zu Fuß - nun ja, oder man macht es, wie es sich gehört für Amsterdam, man mietet sich ein Rad.

Ich bin leider kein großer Fahrrad-Fan und habe daher einen Großteil der Wege zu Fuß zurückgelegt und habe die brennenden Beine in Kauf genommen. Bucht man sich ein Hotel in der Innenstadt, sind die Distanzen oft gering, jedoch sind die Unterkünfte recht teuer für einen verhältnismäßig niedrigen Standard. Ein kleines bisschen weiter außerhalb stehen Preis und Leistung in einem besseren Verhältnis, aber ein Schnäppchen sind weder die Hotels, noch die Airbnb-Unterkünfte.

Es gibt zahlreiche Dinge, die auf die Must-do-Liste gehören, wie das Van Gogh-Museum, Leidseplein, Dam, Rijksmuseum und vieles mehr, meine Tipps sollen aber eher das Amsterdam zeigen, das ohne Museensbesuche und ohne Stress auskommt.

Ein Samstag in Amsterdam

Jeder Tag sollte mit einem gemütlichen Frühstück beginnen. Wir sind im B&B Lunchroom fündig geworden, das nämlich glutenfreie Sandwiches und frische Säfte to go anbietet. Überquert man anschließend die Leidsestraat kommt man an die Keizersgracht, auf der es kleine Tretboot-Steege gibt. Mit dieser Aussicht lässt sich das Frühstück genießen.

Hier ist auch der beste Ausgangspunkt für eine Pilgertour durch die 9 Straßen (Negen Straatjes), einem Bezirk aus 9 Straßen mit niedlichen Boutiquen, charmanten Cafés und Saftbars, Antiquitäten-Händlern und bezaubernden Restaurants. Noch besser lässt es sich nirgends shoppen oder Amsterdam entdecken. Hier mischen sich Touristen und Locals, die Stimmung ist wirklich besonders dank des Mix aus lokalen Shops und internationalen Brands und selbst beim dritten Besuch gibt es immer noch etwas neues zu entdecken.

Eine neue Entdeckung für mich war die Cold Press Juicery. Ein Saft ist besser als der nächste, außerdem gibt es Zoodles mit Pesto (Zucchini-Nudeln), Chia-Pudding, Ingwer-Shots und Smoothies. Das gesunde Herz schlägt hier auf jeden Fall höher.

Bezaubernd schön war auch Pluk, eine Mischung aus Inneneinrichtungsladen und Café. Hier kann man sich Sandwiches machen lassen, Kaffee zum Mitnehmen holen und Accessoirea für Heim und Küche besorgen. Schwer angesagt sind derzeit Emaille-Becher. Hier wird man auf jeden Fall fündig. Schaut auch mal bis nach ganz hinten durch, dort erwartet einen eine Idylle der Ruhe: ein Hinterhof, der liebevoll eingerichtet ist und zum Entspannen einlädt.

Werden die Füße müde vom shoppen (oder ist der Geldbeutel plötzlich leer), lohnt sich eine Grachtenfahrt. Anstatt auf einen der übergroßen Dampfer mit Platz für 120 Leute zu steigen, ist die Reederei Friendship oder Lovers zu empfehlen. Wir waren letztlich mit Friendship unterwegs, mit uns etwa 35 weitere Passagiere. Der Vorteil der kleineren Boote ist, dass man abseits der großen Boote fährt und auch unter sehr niedrigen Brücken hindurchkommt. Noch kleiner sind gecharterte Boote, die natürlich etwas mehr kosten (oder man hat Freunde in Amsterdam mit Boot, das ist der wohl größte Luxus). Die Tour dauert etwa eine Stunde, die man am besten mit einem kühlen Drink in der Hand genießt. Die Touren fahren etwa alle 20 Minuten ab Oudezijds Voorburgwal 230, Tickets bekommt man auf dem Boot für 15 Euro.

Anschließend lohnt sich ein Besuch des Vondelpark, der Central Park von Amsterdam. Mit einem Kinderbad, einem Rosengarten, Seen und Veranstaltungsflächen ein Park, in dem man locker den ganzen Tag verbringen kann, gutes Wetter vorausgesetzt. Wir hatten das Glück, dass während unseres Besuchs ein Markt von Sissy-Boy stattfand mit Live-Musik und Essensständen. Sissy-Boy ist ein lokales Label, das erstaunlich erschwingliche Inneneinrichtung, Kleidung und Accessoires im Angebot hat - sollte es also gerade keinen Open-Air-Markt geben, gibt es einige Läden in der Stadt, die man sich unbedingt anschauen sollte.

Ist man schon in dieser Ecke unterwegs, lohnt sich ein Schlenker durch Amsterdam-Zuid, also den Süden der Stadt, der nette kleine Märkte im Angebot hat. Ist man auf der Suche nach lokalen Produkten und Mitbringseln, wie Käse, ist hier die richtige Adresse: Zuidermarkt.

Nachdem wir auf dem Markt schon Pommes, Chips, Popcorn und ähnliches gegessen hatten, war uns noch etwas leichterer Küche zumute, die wir bei Ramen-ya fanden. Suppen, japanische Tapas, Bier und einen ruhigeren Kellerraum mit ganz zauberhafter Bedienung - die Ruhe tat nach dem Trubel der Straßen echt gut. Es gibt hier tolle vegetarische Optionen, hausgemachte Limonaden ebenso wie hausgemachtes Kimchi.

Packt einen nun doch wieder der Wunsch nach Trubel, sollte man auf jeden Fall durch die vollen Straßen des Rotlichtbezirks laufen - aber stellt euch mental auf wirklich volle Straßen ein. Ebenso voll sind auch die Pubs, deswegen geht ein wenig weiter Richtung Oude Kerk, also zur Alten Kirche. Dort hat man immer noch gute Chancen auf einen Sitzplatz in einer Kneipe und kann dem Treiben gemütlich zuschauen.

Gut, sollte man nach 2-3 (oder mehr) Bier wieder Lust auf etwas typisch holländisches zu Essen bekommen, rettet einen Amsterdam mit seinen Febo-Automaten: Frittiertes Essen bis tief in die Nacht aus einem Automaten. Ein Traum. Kroketten, Käse-Soufflés, Cheeseburger, vegetarische und fleischhaltige Optionen, zückt euer Kleingeld und bedient euch. Es ist großartig!

Ein Sonntag in Amsterdam

Nachdem wir an Tag 1 gut 25 Kilometer zurückgelegt haben, kann einem nach etwas Ruhe zumute sein. Also ab nach Jordaan, einem ehemaligen Arbeits- und Zuwandererviertel, das nun eine ruhige aber angesagte Wohngegend ist. Viele Bars, Cafés und Restaurants tummeln sich hier, unter anderem das Lokal Piqniq, das glutenfreies Frühstück anbietet: Pancakes, Sandwiches, Rührei, frische Säfte, alles ist da. Himmlisch für jemanden wie mich, aber auch die "normalen" Frühstücksoptionen sind phänomenal.

Gut gestärkt kann man weiter durch Jordaan pilgern und einen Abstecher ins Anne Frank Haus machen. Es ist aber zu beachte, dass zwischen 9:00 und 15:30 nur Personen mit Online-Tickets reinkommen, erst danach ist Einlass für Tickets, die an der Tageskasse gekauft wurden.

Wer am ersten Tag noch nicht genug geshoppt hat, kann noch einen Stop in der Einkaufsmeile Kalverstraat einlegen. Nicht weit von hier ist sowohl ein großer Albert Heijn. Nichts gibt einem einen besseren Eindruck einer Kultur als ein Besuch im Supermarkt. Welche Produkte gibt es, wo ist was angeordnet, wie sind die Lebensmittel verpackt: Ich liebe es. Jeder Trip ins Ausland muss einen Stop in einem Supermarkt zulassen!

Nach dem Frühstück ist vor dem Snack. Was muss man in den Niederlanden essen? Poffertjes (Mini-Pfannkuchen) und Pannenkoek (großer Pfannkuchen), beide mit Toppings. Ein zwar touristisches, nichtsdestotrotz aber leckeres Lokal ist De Vier Pilaren. Günstige Preise, offene Küche, dass man bei der Poffertjes-Zubereitung zuschauen kann und schneller Service. Was will man mehr?

Von hier aus kann man Richtung De Pijp, einem ruhigeren Wohnviertel starten mit wunderschönen Häusern. Ebenfalls dort befindet sich die Eerste van der Helststraat mit zahlreichen Geschäften, Hipster-Burger-Läden und Kneipen. Das Flair ist unbeschreiblich und man möchte gar nicht mehr weitergehen. Wenn man also nicht gerade Poffertjes mit Puderzucker und Nutella gegessen hat, sollte man hier in einem der Lokale zu Abend essen.

Schlagwörter: Amsterdam, Anne Frank, Febo, Grachten, Piqniq, Pluk, Sissy-Boy, Vondelpark
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