Manchmal macht man Dinge ganz automatisch, ohne sich Gedanken darüber zu machen. Bis jemand genau darüber erstaunt ist. Bei mir ist es das Alleinreisen. Ich liebe es und habe es nie für ungewöhnlich gehalten. Selbst mit einem festen Partner an der Seite genieße ich es, ab und zu alleine wegzufahren.

Aber wie oft habe ich die Frage gestellt bekommen: “Wie, du verreist alleine? Ist das nicht langweilig und furchtbar einsam?” Jedes Mal bin überrascht, dass es so viele gibt, denen beim Gedanken ans Alleinsein unwohl wird. Egal ob zuhause, oder auf Reisen. Versteht mich nicht falsch: Das soll nicht im Geringsten überheblich klingen, sondern vielmehr meine ganz ehrliche Verwunderung zum Ausdruck bringen.

Wir Menschen neigen dazu, von uns selbst auf andere zu schließen, was natürlich totaler Blödsinn ist, weil wir alle unterschiedlich sind. Und trotzdem tun wir es immer wieder. Zugegeben, ich schließe auch von mir auf andere. Denn ich liebe es alleine zu reisen, alleine zu sein und einfach mal nichts und niemanden um mich zu haben. Warum sollte es anderen also keinen Spaß machen, wenn es mir doch so gut tut?

Für mich klingen die Nachfragen deshalb so komisch, weil ich die Zeit alleine unheimlich genieße. So sehr ich die Menschen um mich herum liebe, so sehr liebe ich auch die Stille und die Zeit alleine mit meinen Gedanken. Für eine kurze Zeit kann sich wohl noch der Großteil damit arrangieren, mit sich selbst allein zu sein. Aber mehrere Tage oder Wochen? Das ist eine ganz andere Geschichte. Deswegen fällt es mir schwer zu verstehen, wie jemand etwas, das mir so gut tut, so ablehnen kann.

Alleine, aber nicht einsam

Ich glaube, dass viele Alleinsein mit Einsamkeit gleichsetzen, obwohl es zwei grundsätzlich unterschiedliche Dinge sind. Alleinsein hat für mich etwas mit Selbstbestimmung zu tun und beschreibt vor allem einen Zustand: Ich wähle alleine zu sein. Ich entscheide über jedes "ob" und "wann", ohne Kompromisse.

Einsamkeit hingegen ist ein Gefühl und setzt für mich ein Vermissen von Mitmenschen voraus und ist nicht selbstbestimmt. Einsamkeit ist ungesund, traurig und deprimierend.

Wenn ich entschließe alleine zu verreisen, ist es für mich die totale Selbstbestimmung. Ich bin gesegnet mit netten Freunden und einer zuverlässigen Familie. Möchte ich nicht mehr allein sein, habe ich die freie Wahl wieder Menschen um mich herum zu scharen oder mich selbst zu ihnen zu gesellen.

Ich habe mich deswegen gefragt, warum Menschen Angst vor dem Alleinsein haben. Ist es die Angst davor, sich mit den eigenen Gedanken auseinanderzusetzen? Mit sich selbst zu konfrontieren? Den inneren Freak ins Auge blicken zu müssen? Die innere Stimme laut und deutlich zu hören? Die Angst vor Reflexion, auch über die weniger schönen Seiten an sich? Was wäre denn wirklich so schlimm daran?

Denn wir brauchen das Alleinsein ab und zu als Ausgleich zum ganzen Lärm, der uns umgibt.

Der Psychotherapeut Dietrich Munz schreibt:

Alleinsein dient der Regeneration, man kann Dinge innerlich klären. In vielen Kulturen ist der Rückzug ein wichtiger Prozess.

Je hektischer der Alltag, desto mehr bräuchte man eigentlich wieder diesen Rückzugsort für sich selbst. Gleichzeitig nimmt man sich aber gerade weil man so viel zu tun hat, kaum noch Zeit für sich. Paradox, oder?

Umso schöner ist es zu sehen, dass immer mehr Blogger sich dem Thema Selbstliebe und Mindfulness widmen. Allen voran Dariadaria, die vom Burnout bis zum Wiederfinden der Selbstliebe alles durch hat und ihre Erfahrungen mit Yoga und Meditation teilt.

Wo findest du Ruhe?

Ich freue mich dieses Bedürfnis nach Abgeschiedenheit und alleine sein ab und zu, dann aber sehr ausgeprägt, zu spüren und ihm nachgehen zu können. Die Ruhe zu suchen und die Zeit alleine zu genießen. Dabei ist es letztlich vollkommen egal, wie der Rückzugsort eines jeden einzelnen aussieht. Es kann zum Beispiel die abendliche Yogastunde oder einer Meditationsroutine am Morgen sein. Für mich ist es mit Sicherheit der Rückzug in die Natur und die Unendlichkeit, wie ich sie auf einem Hausboot auf der Havel oder im norwegischen Tromsø gefunden habe. Absolute Ruhe, die Rohheit der Natur, die Extreme, aber eben auch der Einklang von allem. Und ich selbst mittendrin.

Wo findest du Ruhe und kannst so richtig abschalten?