Livia, der Ausschalter für Menstruationskrämpfe

Svenja - Sonntag, 25. Juni 2017

Darauf hat die Frauenwelt gewartet: Einen Aus-Knopf für Menstruationskrämpfe. Livia verspricht genau das zu sein. Das niedlich aussehende Gerät wurde auf Indigogo über Crowdfunding realisiert. Klar, dass ich als Leidensgenossin mitmachen musste.

Seit ich die Pille vor 1,5 Jahren abgesetzt habe, wurden die Krämpfe immer stärker, wie zuletzt in meinen Teenagertagen. Mein persönliches "Highlight" war der Tag, an dem ich in einem Meeting saß und schon merkte „Oh shit, heute geht’s rund“. Nach 15 Minuten im Meeting kribbelten meine Hände und Füße und ich hatte Schwierigkeiten aufrecht zu sitzen, bis dann der Kreislauf ankündigte die Biege zu machen.

Ich schaffte es gerade noch rechtzeitig aus dem Raum bis zum Sofa im Aufenthaltsraum, bevor es mir schwarz vor Augen wurde und ich nur noch Rauschen auf den Ohren hatte. Das nur vor Schmerzen. Als das Meeting beendet war begrüßten mich die männlichen Kollegen mit einem herzlichen „Na, hattest wohl keinen Bock mehr, wa?“. Danke, ihr mich auch.

Schmerztabletten als Fixkosten

Selbst wenn man (eine Handvoll) Schmerztabletten eingenommen hat, dauert es gut eine halbe Stunde, bis die Schmerzen gelindert sind. Doch das Wohlbefinden stellt sich trotzdem nicht so recht ein. Das allgemeine Unwohlsein, ab und zu Übelkeit, die Hitzewallungen bleiben. Hier verspricht Livia der Gamechanger zu sein: Man soll nicht nur schmerzfrei werden, sondern sich tatsächlich wieder wie ein Mensch fühlen, sagt die Frau im Werbevideo auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo. Klingt zu gut, um wahr zu sein. Egal, ich glaube an Einhörner, fliegende Schweine und Wunder, ich bestelle kurz vor dem Ende der Aktion. Das Warten beginnt.

Was ist Livia?

Livia ist eine sogenannte transkutane elektronische Nervenstimulation. Das heißt wörtlich, dass durch die Haut die Nerven stimuliert werden. Dadurch soll der Schmerzimpuls angeblich nicht mehr im Hirn ankommen und die Muskeln entspannt werden. Entspannte Muskeln klingen schon einmal gut und erlösend.

Der nächste Zyklus darf kommen

Die drei Monate Wartezeit fühlten sich ewig an, denn meine Hoffnung in Livia ist groß. Etwa drei Monate später bekomme ich Post aus Israel, denn dort wird Livia produziert. Die quadratische Box mit Hosenclip kommt mit zwei Elektroden und Gelpads. Ein farbenfrohes Sleeve durfte ich mir bei der Bestellung auch aussuchen. Niedliche Farben und Elektroden in Blumenform, könnte der Kontrast zu dem Massaker, dass die Menstruation ist, noch größer sein? Gekostet hat mich das Vergnügen knapp 130 Euro (inkl. Versand), was im Anbetracht meines Schmerztablettenkonsums aber auf lange Sicht gesehen eigentlich gar nicht mal so viel ist.

Livia wird per USB geladen. Voll aufgeladen hält der Akku etwa 12-15 Stunden.

Ironischerweise habe ich mir meine nächste Menstruation nie so sehnlich herbeigewünscht, inklusive der Krämpfe. Wie schön, dass beide kommen. (ha ha, ho ho) Livia eilt zur Hilfe. Ich klebe mir die beiden Gelpads auf den Unterleib, stöpsel das Kabel ein und regele die Intensität über die Plus-Taste hoch. Wer schon einmal EMS-Trainings gemacht, kennt das Gefühl: Ein leichtes elektrisches Kribbeln breitet sich aus und ich spüre, wie die Muskeln kontrahieren. Nicht so stark wie für ein Workout, sondern deutlich schwächer, nichtsdestotrotz spürbar.

Nach nicht einmal 15 Minuten bin ich nahezu schmerzfrei. Nach weiteren 5 Minuten merke ich, wie sich auch meine Stimmung verbessert (klar, ich möchte mir ja auch meine Gebärmutter nicht mehr herausreißen).

Den Schmerzimpuls unterbrechen

Livia erklärt es so, dass der Schmerzimpuls gar nicht erst im Hirn ankommt. Egal wie, es scheint zu funktionieren. Ich hab Livia nun vier Zyklen getestet und komme zum Ergebnis, dass Livia tatsächlich der versprochene Game-changer für mich ist. Das kleine Gerät lässt sich unauffällig auch im Büro tragen. Am besten trägt man eine bequeme Hose oder einen Rock und ein etwas längeres Shirt darüber. Nach hautenger Kleidung ist einem in Tagen des Blähbauchs ja ohnehin nicht zumute.

Die Pille abzusetzen und dann einmal im Monat "Vier gewinnt" mit Schmerztabletten zu spielen ist ja eher kontraproduktiv. Noch dazu kommen Schmerztabletten nicht ohne Nebenwirkungen, Livia scheint aber frei von Nebenwirkungen zu sein.

Von mir gibt es eine ganz klare Empfehlung für Livia. Die 130 Euro sind die Investition wert und ich freue mich nicht jeden Monat einen Tag an schlechte Laune und Schmerzen zu verlieren.

Schlagwörter: Frauengesundheit, Livia, Menstruation, Menstruationskrämpfe, Verhütung
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